Was ist eine Grundfähigkeits-Versicherung?

Grundfähigkeits-Versicherung

Eine Grundfähigkeits-Versicherung ist eine Lebensversicherung. Das bedeutet, der Beitrag einer Grundfähigkeitsversicherung wird zu Beginn festgelegt und darf dann während der Laufzeit nicht mehr angehoben werden. Oft arbeiten die Versicherungsgesellschaften aber mit einem Brutto- und einem Netto-Beitrag. Das heißt, die Beiträge werden um die Überschüsse gekürzt. Wenn diese Überschüsse aber nicht mehr erwirtschaftet werden, dann darf die Prämie bis zum Brutto-Beitrag angehoben werden.

Das ist aber bei allen Lebensversicherungen so. Außerdem ist es eine Summenversicherung. Das bedeutet, dass ich jetzt eine Rentenhöhe vereinbare und dafür bezahle. Im Leistungsfall zahlt die Grundfähigkeits-Versicherung die volle Summe und prüft nicht, ob ich das Geld brauche oder nicht.

Wann zahlt die Grundfähigkeits-Versicherung?

Der große Unterschied zu einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist der, dass es keinen Paragrafen mit Leitbildfunktion gibt. Selbst der GdV hat bisher keine Musterbedingungen herausgegeben.

Wann eine Grundfähigkeits-Versicherung also zahlt, darf jede Versicherung selbst definieren.

Aber grob lassen sich 4 Kategorien identifizieren:

  1. Grundfähigkeiten
  2. Sinne
  3. Alltägliche Fertigkeiten
  4. Berufsbezogene Fertigkeiten

Damit wäre alles gesagt. Nächstes Thema.

 

Spaß!

Was sind Grundfähigkeiten?

Mit Grundfähigkeiten meine ich alles, was ich kann, weil ich es eher instinktiv als bewusst gelernt habe. Also, Gehen, Stehen, Sitzen, Treppensteigen, Hände und Arme gebrauchen.

In der Grundfähigkeits-Versicherung sind diese Grundfähigkeiten teilweise sehr ähnlich definiert. Gehen sind immer 400m und Treppensteigen immer 12 Stufen. Die Unterschiede sind im Detail zu finden. Und im Marktvergleich zur Grundfähigkeits-Versicherung. Auf der anderen Seite gibt es Hand- und Armgebrauch. Das ist sehr, sehr unterschiedlich in der Definition. Die einen wollen, dass du eine Jacke anziehst, die anderen, dass du die Arme auf Schulterhöhe hebst. Dann gibt es die Auslöser Flasche öffnen, Schraube in die Wand drehen, Rohrzange benutzen, Schere benutzen und noch viele andere.

An sich ließe sich hier vieles medizinisch definieren, wenn man Extensionen, Flexionen, Abduktionen, Pronationen oder Supinationen der verschiedenen Gelenke definieren würde. Das versteht dann aber keine Sau. Aber in meinen Augen wäre es schon sinnvoll, hier eine objektiv einfach überprüfbare und medizinische Definition zu setzen und dann beispielhaft Grundfähigkeiten aufzählen, die dann auch verstanden werden.

Die Gefahr bei der Grundfähigkeits-Versicherung ist ja, dass sich meine Vorstellung von dem, was versichert ist, nicht mit dem übereinstimmt, was dann im Leistungsfall geprüft wird. Das könnte ich so vermeiden.

Was sind Sinne in der Grundfähigkeits-Versicherung?

Die Sinne sind so ziemlich das, was man denkt. Sehen, Hören, Sprechen, Riechen, Tasten. Die Sinne sind alle im Wesentlichen gleich definiert. Ich muss taub, blind oder fast stumm sein.

Und auch der Geruchs- und Tastsinn muss so gut wie komplett verloren gehen. Das ist aber tatsächlich häufiger der Fall, als man denken mag.

Zu den Sinnen zähle ich mal auch den Gleichgewichtssinn und den Intellekt.

Der Gleichgewichtssinn passt vom Namen schön rein. Aber auch weil wir das nicht erlernen, sondern das eher eine Funktion im Mittelohr ist.

Beim Intellekt geht es um Planungsfähigkeit und Auffassungsgabe. Oft wird auch direkt das eigenverantwortliche Handeln genannt. Interessant ist hier, dass auch psychische Erkrankungen die Leistung auslösen können. Das ist bei den anderen Auslösern nicht der Fall.

Und bei manchen Grundfähigkeits-Versicherungen sind es auch nur motorische Erkrankungen. Das würde dann z.B. Epilepsie und andere neuronale Erkrankungen ausschließen. Darauf sollte man schon mal achten.

Was sind alltägliche Fertigkeiten?

In der Grundfähigkeits-Versicherung sind aber nicht nur Grundfähigkeiten versichert, die einfach medizinisch abbildbar wären. Es gibt auch komplexere Fertigkeiten, die wir irgendwann erlernt haben. Dazu zählt für mich das Autofahren und das Fahrradfahren. Aber auch das Ziehen und Schieben würde ich hier einordnen. Das haben wir zwar auch schon früh und unbewusst erlernt, aber der Bewegungsablauf ist so komplex, dass er sich nicht so leicht medizinisch definieren ließe.

Wenn ich z.B. einen Rollstuhl schiebe, dann kann ich das nicht mehr, wenn mein Handgelenk bei Belastung zu sehr schmerzt. Oder der Ellenbogen ist zu unbeweglich. Oder die Schulter. Oder die Hüfte. Oder…

Deshalb muss hier die Definition so eindeutig wie möglich sein, damit ich es im Einzelfall medizinisch überprüfen könnte. Das ist aber in der Regel machbar und auch bei den meisten GF-Versicherungen gelungen.

Was sind berufliche Fertigkeiten in der Grundfähigkeits-Versicherung?

Die Grundfähigkeits-Versicherung ist keine Alternative zur Berufsunfähigkeits-Versicherung. Denn es gibt überhaupt keinen Bezug zur Arbeitskraft.

Da die BU-Versicherung aber schon große Teile der arbeitenden Bevölkerung verloren hat, weil sie einfach zu teuer ist, wird die Grundfähigkeits-Versicherung immer wieder als eine Art BU-Light angeboten. Das funktioniert aber halt nicht.

Um einen Bezug herzustellen, gibt es immer mehr Auslöser, die sich auf G-Ziffern aus der arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchung beziehen.

Oder die Grundfähigkeits-Versicherung zahlt dann, wenn ich einen Führerschein, den ich für meine Arbeit benötige, verliere. Das kann bei Bus- und LKW-, aber auch bei Taxi-Fahrern der Fall sein.

Dann ist die Grundfähigkeits-Versicherung auch eine echte Alternative zur BU-Versicherung. Aber es muss jedem klar sein, dass hier nur ein Teil des Ganzen abgesichert wird. Und auch hier sind oft psychische Erkrankungen ausgeschlossen.

Ach ja… Die Bausteine und Optionen

Selbstverständlich gibt es auch eine BU-Option in der Grundfähigkeits-Versicherung. Ich kann also später einfach wechseln. Dazu müssen ein paar Voraussetzungen erfüllt sein. Einen Vergleich ab ich dazu auch schon geschrieben.

Und Bausteine gibt es auch. Es gibt AU-Bausteine, die bei einer Krankschreibung von mehr als 6 Monaten leisten und solche, die bei bestimmten schweren Krankheiten einmalig eine bestimmte Summe zahlen. Außerdem gibt es noch eine Grundfähigkeits-Versicherung mit einem EU-Baustein, der leistet, wenn ich am allgemeinen Arbeitsmarkt nicht mehr arbeiten kann.

AU- und EU-Baustein find ich in vielen Fällen eine gute Wahl, weil es dann halt tatsächlich recht nah an der Berufsunfähigkeits-Versicherung dran ist.

Die Leistung bei schweren Krankheiten würde ich eher nicht empfehlen. Die Grundfähigkeits-Versicherung leistet ja eh meistens bei schweren Krankheiten, weil ich dadurch in einem der Auslöser für 6 Monate eingeschränkt bin. Der einzige Vorteil ist hier, dass ich nicht erst nach 6 Monaten Geld bekomme, sondern quasi schon mit der Diagnose.

Unterm Strich

Die Grundfähigkeits-Versicherung ist in erster Linie eine Freizeit-Absicherung. Wenn ich eine Grundfähigkeit verliere, brauch ich Unterstützung im Haushalt oder im Garten. Oder Hobbies sind dann nur noch sehr aufwendig ausführbar.

Als ein Ersatz für eine BU-Versicherung ist sie eher nicht geeignet. Nur wenn ich mit Bausteinen eine Schnittmenge erzielen kann. Aber auch dann muss ich halt wissen, dass ich bei psychischen Erkrankungen vermutlich nix bekomme.

So, ich denke aber, jetzt war das alles.

Ich bin aber in dem Thema ziemlich tief drin, weshalb ich ziemlich sicher was vergessen habe, das dir noch fehlt. Wenn das der Fall ist, dann melde dich einfach bei mir 🙂

 

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