Warum die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt

Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt

Wenn ich ein Auto baue, wird es nicht fahren. Daraus aber abzuleiten, dass Autos nie fahren, wäre falsch. So ist das auch, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt. Denn auch hier kommt es darauf an, was ich weiß. Und so gut wie immer, wenn ein Fall komplett unlogisch zu sein scheint, geht es halt um formelle Fehler oder Missverständnisse. Missverständnisse sind menschlich, formelle Fehler sind juristisch. Beides ist doof, kommt aber vor.

Aber der Reihe nach… Ich zähl mal auf, warum die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt.

Der allerallerhäufigste Grund, warum die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt, ist übrigens der, dass du keine hast 😉

Der häufigste Grund, warum die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt

Der häufigste Grund, warum die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt, ist darin begründet, dass der Kunde sich nicht mehr meldet. In manchen Fällen liegt das daran, dass der Leistungsfall nach ein paar Monaten Krankschreibung vorsorglich angemeldet wurde und der Kunde mittlerweile wieder gesund ist und arbeiten kann. In nicht wenigen Fällen dürfte es aber daran liegen, dass der Kunde ohne Hilfe keine 40-80 Seiten Unterlagen ausfüllen kann. Entweder weil er zu krank dazu ist oder weil er halt einfach nicht weiß, was Berufsunfähigkeit bedeutet. Hier kann ein Experte helfen.

Der ärgerlichste Grund, warum die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt, ist der, dass du einfach keine hast.

Von allen Anträgen, die auch weiter verfolgt werden, wird über die Hälfte abgelehnt, weil der 50%-BU-Grad nicht erreicht wurde. Das kann stimmen, kann aber auch daran liegen, dass hier der Arzt einen BU-Grad angeben musste. Und der Arzt kann das halt nicht. Weil er nicht weiß, wie die Tätigkeiten im Beruf in gesunden Tagen ausgestaltet waren. Kommt aber echt häufig vor, dass der Arzt gebeten wird, eine Einschätzung zum BU-Grad zu geben. Wenn da dann was unter 50% steht, ist es für den Versicherer leicht, den Antrag abzulehnen.

In jedem 5. Fall liegt eine Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht vor. Das heißt, dass ich vergessen habe, irgendeine Vorerkrankung anzugeben. Oder es absichtlich nicht angegeben habe.

Ärgerlich sind die Fälle, in denen ich nicht wusste, dass der Arzt sowas abgerechnet hat. Wenn das der Fall ist, muss ich dem Versicherer das zur Not vor Gericht klar machen. Denn wenn ich eine depressive Phase in der Akte stehen habe, ohne einen einzigen Tag krankgeschrieben zu sein, ohne Behandlung und ohne Medikamente, dann ist es ziemlich glaubwürdig, dass da was nicht stimmt.

Warum ich geduldig sein sollte

In jedem 10. Fall sind die 6 Monate nicht erreicht. Das ist in meinen Augen eher so mitteltragisch, weil es hier ja sicherlich gesetzliches Krankengeld gegeben hat.

Auf den letzten Plätzen kommen dann die allgemeinen Ausschlüsse, wie z.B. Vorsatz. Wenn ich mich absichtlich berufsunfähig mache, leistet die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht. Und auch bei individuellen Ausschlüssen gibt es kein Geld. Wenn die BU-Versicherung z.B. die Wirbelsäule ausschließt, dann gibt es keine Rente, falls ich wegen Rückenproblemen BU bin. Wichtig ist hier zu wissen, dass die Beweislast beim Versicherer liegt. Er muss beweisen, dass der ursprüngliche Zustand verantwortlich für die eingetretene Berufsunfähigkeit ist. Das wichtige hier: Wäre ich auch ohne Vorerkrankung BU geworden, muss der Versicherer leisten. Ist also die Wirbelsäule ausgeschlossen und ich breche mir bei einem Unfall die Wirbelsäule, dann wäre das mit oder ohne der vorhandenen Skoliose ein Grund für BU.

Machen die Bedingungen einen Unterschied, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt?

In den allerwenigsten Fällen, also unter 1%, sind die Bedingungen schuld, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt. Das lässt sich sogar einigermaßen logisch herleiten. Denn wenn ein Versicherer wirklich systematisch die Leistung verweigern will, dann geht das ja in die Richtung Betrug. Und das finden die Gerichte nicht gut. Und auch im Bürgerlichen Gesetzbuch gibt es dazu ein paar schöne Paragrafen. Nämlich die §§305ff., auch AGB-Kontrolle genannt.

Hier geht es grob darum, ob etwas in den Bedingungen überraschend oder nicht eindeutig ist. Würde also in den AVB stehen, dass der Versicherer nur dann zahlen muss, wenn der Arzt die BU an einem Dienstag feststellt, dann ist das eher ungewöhnlich, also überraschend. Eine solche Klausel ist dann ungültig. Und wenn etwas nicht eindeutig formuliert ist, dann wird es immer so ausgelegt, wie es der Kunde verstehen würde.

Da gab es mal ein lustiges Urteil dazu. Im Antrag auf eine BU-Versicherung stand nicht drin, dass die Leistungsdauer bis zu einem gewissen Endalter, also z.B. bis 67 geht, sondern war einfach in Jahren aufgeführt. Bei Vertragsschluss waren das 30 Jahre, weil der Kunde 30 Jahre war und der Vertrag bis zum 60. Geburtstag lief. Im Leistungsfall mit 55 Jahren gab der Kunde an, er habe das so verstanden, dass die Leistungsdauer bedeutet, dass ab dem Leistungsfall 30 Jahre gezahlt wird. Das klingt noch dümmer, wenn man weiß, dass es sich bei dem Kunden um einen Versicherungsvermittler handelte. Aber er hat Recht bekommen.

Die Bedingungen machen also nicht den Unterschied, wenn die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt. Das gilt auch für alle möglichen Klauseln. Die DU-, AU- und Infektionsklauseln helfen, weil der Leistungsfall einfacher nachzuweisen ist. Es handelt sich juristisch um eine unwiderlegliche Vermutung. Aber wer weiß, wie es geht, bekommt hier auch die Rente aus der BU-Versicherung. Krebs-, oder Rollstuhl-Klauseln sind medizinische Auslöser und lassen sich durch einen Arzt belegen. Das ist auch einfacher, aber eben keine Extra-Leistung.

Was ist besser? BU-Versicherung mit Ausschluss oder Alternative ohne?

Normalerweise ist in der Berufsunfähigkeitsversicherung mit 3 Ausschlussklauseln Ende. Das ist auch sinnvoll. Denn je mehr Klauseln, desto weniger ist versichert. Viele Versicherungen bieten schon keinen Schutz mehr an, wenn die Wirbelsäule und psychische Erkrankungen auszuschließen sind. Auch das ist besser so. Denn ohne psychische Erkrankungen und Wirbelsäule ist die BU-Versicherung nix mehr wert.

Wenn ich jetzt eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung ohne Ausschluss bekomme, dann hab ich bessere Chancen auf Leistung. Selbst eine Grundfähigkeitsversicherung ohne Ausschluss dürfte in der Regel besser sein, als eine BU-Versicherung mit den Ausschlüssen Wirbelsäule und psychische Erkrankungen. Aber das kommt immer auf den Beruf und die Gesamtkonstellation an.

Also, bevor die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt, weil so viel ausgeschlossen ist, sollte ich aber immerhin über Alternativen nachdenken. Der schwerwiegendere Grund, warum die Berufsunfähigkeitsversicherung nicht zahlt, liegt aber im Leistungsfall. Deshalb ist es ja so extrem wichtig, sich hier zu informieren oder einen Experten zu fragen. Ein Auto würde ja auch nur zusammenbauen, der weiß, wie es geht.

 

 

 

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