Ist die bBU Collect Plus eine Berufsunfähigkeitsversicherung?

Die Frage, ob die bBU Collect Plus aus dem Hause biometric underwriting eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist, lässt sich nicht so einfach beantworten. Sie ist zumindest keine, wenn man das Ganze einigermaßen differenziert als objektiver Berater betrachten mag. Warum es aber so scheint und wo die objektiven Unterschiede liegen, erfahrt ihr hier:

Zunächst mal scheint die bBU Collect Plus eine Berufsunfähigkeitsversicherung, weil der Leistungsauslöser hier BU heißt. Wie das hier im Detail geregelt ist, darauf kommen wir gleich. Wenn also wo Berufsunfähigkeitsversicherung drauf steht, dann vermuten wir auch, dass eine BUV drin ist.
Kontakt Auf der anderen Seite kann es aber gar keine BUV im allgemein bekannten Sinne sein. Denn es handelt sich bei der bBU Collect Plus um eine Sachversicherung. Mit allem, was dazugehört.

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist an sich in Kapitel 6 des Versicherungsvertragsgesetzes definiert. Darüber hinaus gelten die Regelungen aus Kapitel 5. Und hier geht es um die Lebensversicherung. Deswegen sind die BU-Versicherungen, die wir so am Markt kennen, alle Lebensversicherungen. Mit allem, was dazugehört:

  • Eine Lebensversicherung kann nicht ohne Weiteres vom Versicherer gekündigt werden.
  • Eine Beitragsanpassung über den Brutto-Beitrag ist nur unter den Voraussetzungen von §163 VVG oder §314 VAG möglich.
  • Änderungen des Vertragsinhalts sind auch nicht ohne Weiteres möglich
  • Der Vertrag ist bis zum Ende der Laufzeit durchkalkuliert

Das gilt alles NICHT für die bBU Collect Plus. Das muss aber nicht schlecht sein. Es ist erst mal nur anders.

Welche Versicherungsform ist die bBU Collect Plus?

Es gibt ja immer wieder Urteile, dass eine Limo nicht Limo und eine Schokolade nicht Schokolade heißen darf, weil zu wenig Zucker drin ist. Für den Verbraucher wäre eine Limo mit weniger Zucker ja ganz gut. Vielleicht ist eine BUV, die eigentlich nicht so heißen dürfte, für den Kunden auch nicht schlecht.

Am Besten sehen wir uns mal die Bedingungen genauer an.

Es ist in der Regel eine vorübergehende und eine dauerhafte Berufsunfähigkeit (BU) versichert. Die vorübergehende zahlt eine Rentenleistung, die dauerhafte eine einmalige Summe. Der Fachmann wird hier schon mal stutzig, da eine BU ja per Definition durch den § 172 VVG dauerhaft sein muss.
Kontakt Die Leistung aus der vorübergehenden BU gibt es für maximal 120 Monate. Das kann man schlecht finden, aber ich halte das sogar noch für bedarfsgerecht. Eine Berufsunfähigkeit dauert in der Regel kürzer als 10 Jahre. Erst ab dem 50. Lebensjahr dauern die Rentenzahlungen statistisch gesehen länger an. Das erklärt  sich dadurch, dass ich ab 50 geringere Chancen habe, nach einer Umschulung eine Arbeit zu finden.

Tatsächlich gibt es bei der vorübergehenden BU keinen Prognosezeitraum von 6 Monaten. Dafür gibt es eine Karenzzeit, die ich frei wählen darf. Auch das halte ich für keine schlechte Idee. Je nach Rücklagen kann ich da auch mal 180 Tage wählen. Das macht den Beitrag selbstverständlich niedriger.

Die bBU Collect Plus ist eine Sachversicherung

Die Leistung aus der dauernden Berufsunfähigkeit erhalte ich, wenn die maximale Leistungsdauer aus der vorübergehenden BU abgelaufen ist und ich immer noch BU bin. Die Kapitalleistung erhalte ich aber nicht, wenn ich bei Ablauf der maximalen Leistungsdauer schon eine gesetzliche Altersrente beziehe. Das ist auch grundsätzlich ok.

Der Tarif kann ohne große Probleme auch monatliche Renten in Höhe von 100.000 Euro oder mehr darstellen. Und das Ganze sogar ohne eine erweiterte ärztliche Untersuchung oder gar eine Laboruntersuchung, wie sie bei der klassischen BUV schon ab 2.501 Euro monatlicher Rente notwendig ist. Viel mehr ist es sogar so, dass der Abfragezeitraum bei der bBU Collect Plus nur 12 Monate beträgt.

Das klingt alles zu schön, um wahr zu sein. Es ist aber einfach erklärt: Es handelt sich ja um eine Sachversicherung. Deshalb gelten die strengen Auflagen, an die eine Lebensversicherung gebunden ist, hier nicht. Die Vertragslaufzeit beträgt maximal 5 Jahre und wird immer wieder verlängert. Genauer gesagt, muss es heißen „kann immer wieder verlängert werden“. Denn der Versicherer muss den Vertrag nicht verlängern. Und wenn er ihn verlängert, kann er ihn auch zu veränderten Bedingungen verlängern. Das ist nicht so toll, wenn ich meine Existenz absichern will.

Es ist vollkommen klar, dass biometric underwriting den Tarif entwickelt hat, um damit erfolgreich zu sein und nicht, um nach ein paar Jahren damit an die Wand zu fahren. Deshalb dürfen wir auch davon ausgehen, dass kein Interesse besteht, die Reputation durch eine Kündigung oder eine nicht erfolgte Verlängerung zu beschädigen. Aber es ist möglich. Und deshalb darf ein Sachversicherer ja auch mutiger kalkulieren.

Was ist berufsunfähig?

Die bBU Collect Plus leistet, wenn „der Versicherungsnehmer aufgrund eines Unfalls, einer Erkrankung oder eines mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls nach Ablauf der angegebenen Karenzzeit seinen ausgeübten Beruf nur zu 50 % oder weniger ausüben kann.“ Das liest sich schon mal sehr ähnlich zur bekannten Definition. Im Detail würde es in Deutschland mehr Rechtssicherheit geben, wenn es Krankheit und Körperverletzung statt Unfall und Erkrankung heißen würde. Da der Tarif aber international eingesetzt wird, ist eben auch das Wording international.

Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass biometric underwriting auf Verbesserungsvorschläge immer wieder eingeht. Deshalb wurde der Tarif auch in den letzten Jahren immer wieder auch an meine Kritik angepasst. Das zeigt ja auch, dass es dem Versicherer ernst ist.

Ist bBU Collect Plus jetzt besser oder schlechter als eine BU-Versicherung?

Ob der Tarif nun besser oder schlechter als die klassische Berufsunfähigkeitsversicherung ist, lässt sich nicht allgemein beantworten. Es kommt wie immer auf die Zielgruppe an.

Der Kunde sollte aber verstehen, dass die (sicherlich manchmal auch übertriebenen) Regularien der Lebensversicherung zum Schutz des Kunden sind. Die klassischen BU-Verträge sind so teuer, weil der Versicherer hohe Barwerte zurückhalten muss und mehr oder weniger über die gesamte Laufzeit an den Beitrag und die ursprüngliche Gesundheitsprüfung gebunden ist. Hohe Summen sind hier kaum bezahlbar. Allerdings wendet sich die klassische BUV ja an alle, die gerade mal ihre Existenz absichern möchten und nicht ihren gehobenen Lebensstandard. Deswegen ist hier eine sichere Planbarkeit bis zum Renteneintritt auch wichtiger als extrem hohe Versicherungssummen.

Die Sachversicherung birgt zwar gewisse Risiken, aber eben auch die Chance, hohe Renten abzusichern. Also ist die bBU Collect Plus in meinen Augen eine Berufsunfähigkeitsversicherung für eine spezielle Zielgruppe. Nach eigener Aussage von biometric underwriting wird das Produkt vorwiegend im gehobenen Management eingesetzt, wo eine dauerhafte Absicherung gar nicht unbedingt notwendig ist.

bBU Collect Plus: (k)eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Luft nach oben

Es ist ein wenig so, wie der Vergleich zwischen der Grundfähigkeitsversicherung und der Berufsunfähigkeitsversicherung. Es kommt darauf an, was der Kunde will und ob er versteht, was er gekauft hat. Ähnlich wie bei der GFV gibt es bei der bBU Collect Plus auch noch ein paar Begrifflichkeiten, die noch geklärt werden müssen. So muss sich eine Erkrankung innerhalb der Vertragslaufzeit „manifestieren“.

Wann genau sich eine Krankheit manifestiert, ist für mich nicht ganz klar. Für den Kunden wäre es sicherlich besser, der Tarif bezöge sich auf die erste Diagnose der Erkrankung. So lässt sich dann auch eine mögliche vorvertragliche Anzeigepflicht objektiver prüfen. Denn eine Erkrankung kann sich vermutlich auch ohne meine Kenntnis in mir manifestieren. Da wäre es nicht fair, wenn mir deshalb die Leistung verweigert würde. Das will ich aber auch gar nicht unterstellen. Die Formulierung ist nur unklar.

Ebenso ist auch die Formulierung unglücklich, dass ein Arzt die BU feststellen müsse. Das kann der Arzt ja überhaupt nicht leisten. Hier hat biometric underwriting aber schon versprochen, diese Stelle mit der nächsten Überarbeitung zu verbessern.

Und so ist die bBU Collect Plus am Ende eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Luft nach oben. Mir persönlich würde es besser gefallen, wenn der Tarif anders hieße, um keine Verwechslung zu provozieren. Aber der Tarif an sich kann vor allem für die gehobene Management-Ebene eine gute Kollektivlösung sein. Für den durchschnittlichen BU-Kunden, der nicht seinen gehobenen Lebensstandard absichern will, sondern seine Existenz schützen muss, ist die klassische Berufsunfähigkeitsversicherung eher geeignet. Denn diese Kunden brauchen die Sicherheit, dass ihr Einkommen bis zur Rente geschützt ist und nicht nur die nächsten 5 Jahre.

Über Philip Wenzel 16 Artikel
Über den Autor : Philip Wenzel ist ein bundesweit anerkannter Experte für die private Berufsunfähigkeitsversicherung. Er ist Fachwirt für Versicherungen und Finanzen, Versicherungsmakler und Autor eines Fachbuches über die BU-Versicherung. Außerdem schreibt er für diverse Fachmagazine und ist als Speaker bei Versicherungen und Fachtagungen tätig.

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