Einen Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung könnte ich auf viele Weisen gestalten. Ich könnte einfach zählen, welcher Tarif wie viele Auslöser hat. Der, der die meisten hat, hat auch gewonnen.

Ich könnte aber auch die einzelnen Auslöser nach Eintrittswahrscheinlichkeit untersuchen. Ein Auslöser, der in vielen Fällen zur Leistung führt, bekommt bis zu 10 Punkte. Und Auslöser, die nur selten eintreten, bekommen maximal 3 Punkte. Dann bewerte ich alle Auslöser nach Qualität und zähle die Punkte zusammen. Das wäre doch toll.

Unfall Krebs Bewegungsapparat Herz/Kreislauf Psyche
Grundfähigkeit

Bringt aber auch nix. Denn eine Grundfähigkeitsversicherung muss immer individuell zu dem Bedarf und den Bedürfnissen des Versicherten passen. Und selbst wenn ein Tarif insgesamt die meisten Punkte hat, ist er vielleicht für mich nicht der beste.

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Warum ein Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung?

Dieser Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung bewertet jeden Auslöser einzeln. So kann jeder nachsehen, wie die einzelnen Anbieter da abschneiden, wo es mir wichtig ist. Ein Gesamt-Ranking erstelle ich nicht. Das ergibt in meinen Augen keinen Sinn. Es wäre nur für bestimmte Muster-Versicherte möglich, die Wertigkeit der einzelnen Auslöser einzuordnen.

Da ist es besser, sich persönlich beraten zu lassen. Außerdem bezahlt mich kein Versicherer dafür. Bevor ich beginne, will ich aber kurz erklären, was eine Grundfähigkeitsversicherung ist. Und vor allem, wie ich sie nutzen kann, um mein Einkommen abzusichern.

Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?

Als nächstes könnte ich die GFV als eine Art Freizeit- oder Alltags-Versicherung ansetzen. Denn wie auch mit der Unfallversicherung, lassen sich auch mit der Grundfähigkeitsversicherung die Kosten decken, die durch die gesundheitliche Einschränkung entstehen. Das kann z.B. der Treppenlift sein, aber auch die Kosten für den Garten, in dem ich nichts mehr alleine machen kann.

Anders als bei der Unfallversicherung sind auch Einschränkungen durch Krankheiten versichert. Die monatliche Zahlung ist auch zeitgemäß. Denn wenn ich auf einmal viel Geld brauche, kann ich mit der Rente eine Finanzierung stemmen. Das geht eher als umgekehrt aus dem Haufen Geld eine monatliche Rente zu generieren. Dazu sind die Zinsen im Moment zu niedrig.

Die Grundfähigkeitsversicherung ist aber auch eine Art Dread Disease. Sie leistet nur nicht bei Eintritt einer versicherten Krankheit, sondern erst, wenn die Krankheit zu einer Einschränkung führt. Dementsprechend kann ich mir auch die laufenden Krankheitskosten über eine GFV absichern.

Am häufigsten bewerben Versicherer die Grundfähigkeitsversicherung aber als Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung.

Die Grundfähigkeitsversicherung als Alternative zur BU-Versicherung

Das ist ne schwierige Kiste. Denn grundsätzlich hat die GFV keinen Bezug zu deinem Beruf. Wenn du nicht mehr arbeiten kannst, weil deine Hand kaputt ist, bekommst du kein Geld. Du bekommst dann deine Rente, wenn du mit deiner Hand keine Glühbirne mehr einschrauben kannst. Oder eine Schraube in die Wand drehen. Oder was halt in den Bedingungen steht. Damit ich mit dieser Versicherung mein Gehalt absichern kann, muss ich eine Brücke bauen. Und die ist dann doch recht simpel und stabil.

Im Leistungsfall bei der BU-Versicherung prüft der Versicherer, ob ich wegen einer gesundheitlichen Einschränkung meinen Beruf noch zur Hälfte ausüben kann. Ich muss also die gesundheitliche Einschränkung nachweisen, meine Tätigkeiten im beruflichen Alltag darlegen und dann beweisen, dass ich nur noch die Hälfte davon sinnvoll ausüben kann. Nicht selten scheitert es daran, dass der Versicherte die Tätigkeiten unverständlich beschreibt.

Bei der GF-Versicherung muss ich die gesundheitliche Einschränkung nachweisen und warum deshalb ein Leistungsauslöser erfüllt ist. Die einzelnen Grundfähigkeiten, die in den Bedingungen beschrieben sind, sind meine Tätigkeitsbeschreibung. Das ist sehr ähnlich zur BUV.
Wenn ich jetzt nur noch die beschriebenen Grundfähigkeiten mit meinen tatsächlichen Tätigkeiten im Berufsalltag in Deckung bringe, kann ich die Grundfähigkeitsversicherung nutzen, um mein Einkommen abzusichern. Das mache ich am besten mit meinem Experten in der Beratung.

Wie funktioniert die Grundfähigkeitsversicherung?

Die Versicherung macht, was sie verspricht. Sie versichert Fähigkeiten. Es geht nur darum, was wir können, weil wir gesund sind. Erlernte Fertigkeiten spielen an sich keine Rolle.

Da Versicherer sich aber immer mit dem Wettbewerb vergleichen und besser sein möchten, gibt es mittlerweile ein paar Fertigkeiten, wie z.B. das Autofahren, die versichert sind.

Auch die Sinne Hören, Sehen und Sprechen sind versichert. Hier hat sich bisher noch keiner an die Sinne Tasten, Riechen und Schmecken herangetraut. Das kann aber noch kommen.

Psychische Erkrankungen in der Grundfähigkeitsversicherung

Viele behaupten ja, dass psychische Erkrankungen nicht in der Grundfähigkeitsversicherung versichert sind. Das stimmt aber nicht. Es sind grundsätzlich alle psychischen Einschränkungen mitversichert. Allerdings sind sie bei den meisten Leistungsauslösern ausgeschlossen.
Nur beim Intellekt, der Pflegebedürftigkeit und dem eigenverantwortlichen Handeln nicht. Das bedeutet, ich bekomme dann mein Geld, wenn eine psychische Erkrankung dazu führt, dass ich zu den unteren 10% gehöre, was die Intelligenz betrifft oder mir vom Gericht ein Betreuer bestellt wird. Die Hürden sind also sehr hoch.

Deswegen bieten mittlerweile die Basler, Die Bayerische, Die Dortmunder, die Gothaer, die Nürnberger, die Swiss Life und der Volkswohl Bund einen Baustein an, der psychische Erkrankungen unter bestimmten Umständen mitversichert. Wie sinnvoll die verschiedenen Varianten sind, bespreche ich weiter unten.

Der Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Wenn jetzt geklärt ist, wozu wir dieses Produkt brauchen, können wir klären, welcher Tarif zu mir passt.
Im Vergleich ziehe ich immer die beste aller verfügbaren Varianten heran. Den Zusatzbaustein Dread Disease bewerte ich nicht. Wer eine Leistung bei Schweren Krankheiten versichern will, soll eine Schwere-Krankheiten-Versicherung abschließen. Und das dann in einer sinnvollen Höhe und Laufzeit. Als Baustein in der Grundfähigkeitsversicherung passt das nur zufällig.

Genauso wenig bewerte ich die Pflegebausteine. Aus dem gleichen Grund. Es ist immer sinnvoller, die eigenständige Pflegeversicherung nach meinem Bedarf und Bedürfnis abzuschließen. Ich bewerte die Bedingungen bis zum Stand Februar 2020. Wenn ein Tarif, wie z.B. die Basler, die Württembergische oder die R+V später dazugekommen sind, bewerte ich deren ersten Tarifstand. Februar 2021 geh ich alle Tarife nochmal durch. Zumindest versuch ich das 😉

Die Gesellschaften sind in alphabetischer Reihenfolge die Aachen Münchener, die Allianz, die Basler, die Canada Life, die DEVK, Die Bayerische, Die Dortmunder, die Gothaer, die HUK Coburg, die Nürnberger, die R+V, die Signal Iduna, die Stuttgarter, die Swiss Life, der Volkswohl Bund, die Württembergische und die Zurich. Bei allen Tarifen handelt es sich um Grundfähigkeitsversicherungen, die nach Art der Lebensversicherung kalkuliert sind. Multi-Risk-Versicherung, die auf eine Unfall-Versicherung aufbauen, sind hier nicht berücksichtigt.

Sollte ich eine Gesellschaft vergessen haben, schreibt mir einfach. Dann füge ich das ein. Gesellschaften, die nach dem Februar 2020 eine GFV auf den Markt bringen, füge ich selber hinzu.

Der Prognose-Zeitraum liegt mittlerweile als Marktstandard auf 6 Monaten. Die 12 Monate gibt es nur noch in Basis-Produkten. Oder bei der DEVK und der HUK Coburg.

Die Sinne

Jeder Tarif versichert die Sinne Sehen, Sprechen und Hören. Während es bei den Grundfähigkeiten viele verschiedene Definitionen gibt, unterscheiden sich die Sinne so gut wie überhaupt nicht. Und wenn, dann ist es praktisch egal.Denn ich muss blind, taub oder so gut wie stumm sein, um Geld zu bekommen. Aber der Reihe nach.

Sehen

Das Sehen definiert die Swiss Life folgendermaßen:

„Ein Verlust der Sehfähigkeit der Versicherten Person liegt bei dauerhafter Blindheit oder hochgradigem Verlust der Sehkraft beider Augen vor, die nicht durch medizinische Maßnahmen oder Sehhilfen (z. B. Brille, Kontaktlinsen) korrigiert werden kann.

Ein hochgradiger Verlust der Sehkraft liegt vor, wenn das Restsehvermögen nach optimaler Korrektur durch medizinische Maßnahmen und unter Verwendung von Sehhilfen die Sehschärfe des besseren Auges 3/60 (bzw. 0,05) oder weniger auf der Snellen-Sehprobetafel beträgt oder das Gesichtsfeld des besseren Auges auf höchstens 15 Grad Abstand vom Zentrum eingeschränkt ist, so dass ein Gesamtgesichtsfeldwinkel von höchstens 30 Grad besteht.

Der Verlust der Sehfähigkeit muss durch einen Facharzt für Augenheilkunde nachgewiesen werden. Ausdrücklich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind alle Fälle von psychogenem Sehverlust oder aufgrund neurotischer Fehlentwicklungen.“

Das haben alle anderen so ziemlich genau so definiert. Die Zurich hat dazu noch ein verständliches Beispiel gebracht.

Bei der Einschränkung des Gesichtsfeldes verlangt der Tarif aber nur 10 Grad Abstand vom Zentrum. Das sind 50% weniger als der Markt verlangt:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Sehens liegt bei einem Verlust der Sehkraft auf beiden Augen bei der versicherten Person vor. Das Ausmaß des Sehkraftverlustes muss derart sein, dass bei der Untersuchung unter Verwendung von Sehhilfen die Sehschärfe des besseren Auges 3/60 oder weniger auf der Snellen-Sehprobentafel beträgt.

Dies bedeutet, dass die versicherte Person bei der Untersuchung einen Gegenstand in bis zu einem Meter Entfernung sehen kann, den eine Person mit voller Sehkraft sehen könnte, wenn dieser sich in einem Abstand von 20 Metern befände.

Außerdem liegt ein Verlust der Grundfähigkeit des Sehens vor, wenn unter Verwendung von Sehhilfen eine Einschränkung des Gesichtsfeldes des besseren Auges auf höchstens 10 Grad Abstand vom Zentrum besteht.“

Worauf kommt es an?

Die Signal Iduna ist am jüngsten am Markt und hat immer wieder mal ganz gut die Tarife der anderen zusammengefasst:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit Sehen liegt vor, wenn das Sehvermögen der versicherten Person – auch bei Verwendung zumutbarer Hilfsmittel – so stark eingeschränkt ist, dass auf jedem Auge nur noch ein Restsehvermögen von höchstens 5 % oder eine Einschränkung des Gesichtsfeldes auf höchstens 15 Grad Abstand vom Zentrum (horizontal oder vertikal) besteht.
Ein Restsehvermögen von höchstens 5 % bedeutet, dass die versicherte Person bei der Untersuchung einen Gegenstand in bis zu einem Meter Entfernung sehen kann, den eine Person mit voller Sehkraft sehen könnte, wenn dieser sich in einem Abstand von 20 Metern befände.Wir sehen z. B. eine Brille oder Kontaktlinsen als zumutbare Hilfsmittel an.“

Das Gesichtsfeld eines gesunden Menschen liegt horizontal bei 107 Grad auf jeder Seite. Vertikal sind es ca. 60-70 Grad nach oben und 70-80 Grad nach unten. Die verlangte Einschränkung entspricht in etwa dem Gesichtsfeld eines gesunden Menschen in der Dämmerung.

Versicherer, die die Einschränkung auf 15 Grad also nicht explizit horizontal verlangen, sind einen Tick besser.

Ich fasse das mal zusammen: Ich muss hochgradig sehbehindert sein, um hier die Rente zu erhalten. Und eine Einschränkung des Gesichtsfeldes durch grauen oder grünen Star tritt in der Regel erst ab dem 60. Lebensjahr auf. Eine Einschränkung des Gesichtsfeldes könnte aber auch durch einen Schlaganfall oder eine Migräne hervorgerufen werden.

Für einen Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung darf ich diesen Auslöser nicht zu hoch bewerten. Wir haben zwar alle Angst zu erblinden, aber da sind andere Auslöser wahrscheinlicher.

Das Sprechen

Der Verlust des Sinnes Sprechen kommt dauerhaft wahrscheinlich deutlich seltener vor. Allerdings kann ein Schlaganfall schon mal für 6 Monate zu Sprachverlust im Sinne der Bedingungen führen. Die Gothaer definiert so:

„Ein Verlust des Sprechvermögens liegt vor, wenn sich die versicherte Person in ihrem sozialen Umfeld gegenüber einem unbeteiligten Dritten nicht mehr verbal verständlich machen kann.

Das bedeutet:

  • Die versicherte Person kann keine verständlichen Worte mehr formen und aussprechen oder
  • die gesprochenen Worte ergeben keinen Sinn mehr (sogenannte Wernicke-Aphasie).

Der Verlust muss nach erfolgtem Spracherwerb eintreten und auf einer körperlichen Ursache beruhen. Sie müssen die Einschränkung belegen, indem ein Facharzt die Einschränkung durch wissenschaftlich anerkannte Testverfahren bestätigt. Ein solches Testverfahren ist zum Beispiel der Aachener Aphasie-Test.“

Die Canada Life weicht an zwei Stellen ab:

„Ein Verlust liegt vor, wenn die Sprechfähigkeit oder die sprachliche Ausdrucksfähigkeit der versicherten Person nach abgeschlossenem Spracherwerb auch bei Verwendung geeigneter Hilfsmittel so weit ein geschränkt ist, dass die versicherte Person von ihrem sozialen Umfeld nicht mehr verstanden wird, weil sie keinen verständlichen sinnvollen Satz bilden und aussprechen kann. Sprachverlust aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung löst keine Leistungen aus.“

Unterschiede in der Definition

Bei der Definition der Gothaer, die so auch die Basler, die Nürnberger und der Volkswohl Bund haben, ist von einem „unbeteiligten Dritten“ die Rede. Er muss verstehen, was ich sage. Die Bayerische, Aachen Münchener, DEVK und die Signal meinen wohl das Gleiche, wenn sie davon reden, „mittels Sprache mit der Umwelt […] kommunizieren“ zu können.

Die Canada Life und auch die Allianz und die Swiss Life verlangen, dass das soziale Umfeld mich nicht mehr verstehen kann. Das halte ich für problematisch. Denn dazu gehört auch meine Frau. Und ich vermute mal, dass es sich bei Menschen mit sprachlicher Einschränkung in etwa so verhält, wie mit 2-jährigen Kindern.

Die Eltern verstehen, was das Kind sagt, während der „unbeteiligte Dritte“ keine Ahnung hat, worum es geht.

Was aber bei der Canada Life und der Signal Iduna interessant ist: Ich darf keine Sätze mehr formulieren können. Bei allen anderen sind es Wörter. Obwohl bei allen Worte steht. Als extremer Klugscheißer will ich mal allen Versicherern Folgendes sagen: Wörter sind halt verschieden viele Morpheme, während Worte eher Zitate berühmter Personen sind. Deswegen heißt es auch „Berühmte letzte Worte“ und nicht „Berühmte letzte Wörter“. Aber ok. Ich weiß, was ihr meint.

Ich glaube, das mit den Sätzen ist schwieriger. Mit den Wörtern gibt es zumindest Spielraum. Die Zurich und die Swiss Life bekräftigen diese Vermutung. So heißt es bei der Zurich:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Sprechens liegt vor, wenn die versicherte Person aufgrund körperlicher Ursachen die Fähigkeit verloren hat, eine verständliche Sprache zu produzieren oder Worte spricht, die ohne jegliche Bedeutung oder Vorkommen in jeglicher bekannten gesprochenen Sprache sind.“

Wenn ich also Wörter formen kann, die auf Hindi was bedeuten, bekomme ich keine Leistung? Das kann nicht gemeint sein, aber die wörtliche Auslegung ließe es zu.

Die R+V bringt eine neue, gute Komponente mit ein. Hier muss ich von einem Facharzt für Neurologie nicht mehr verstanden werden. Der kann mir vermutlich auch gleich den Verlust der Grundfähigkeit medizinisch bestätigen.

Unterhaltung führen

Die Basler hat einige neue Auslöser eingeführt. Dazu gehört auch die Grundfähigkeit, eine Unterhaltung führen zu können.

Das liegt irgendwo zwischen Sprechen und Hören. Aber auch der Intellekt ist betroffen. Die Basler formuliert das so:

„Die versicherte Person kann über einen durchgehenden Zeitraum von zwölf Monaten nicht auf einfache Fragen sinnvoll antworten. Eine einfache Frage kann zum Beispiel sein: Welches Datum ist heute? Was macht man mit einem Fahrrad?
Eine sinnvolle Antwort muss zu der Frage in Bezug stehen und von einer dritten Person verstanden werden. Fachärztliche Befundberichte belegen den Verlust dieser Fähigkeit. Psychische oder psychosomatische Ursachen für den Verlust der Fähigkeit sind ausgeschlossen.“

Kurz geschrieben: Ich denke nicht, dass dieser Auslöser vor einem der anderen Auslöser greifen kann, die so oder so schon versichert sind.

Das Hören im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Beim Hören gibt es grob zwei Definitionen. Die einen rechnen in Prozent, die anderen in Dezibel.
Die Bayerische formuliert es so:

„Der Verlust der Grundfähigkeit Hören liegt vor, wenn die versicherte Person eine starke Schwerhörigkeit auf beiden Ohren hat. Das bedeutet, dass auch bei Verwendung zumutbarer Hilfsmittel oder medikamentöser Behandlung eine Schwerhörigkeit auf beiden Ohren im Frequenzbereich des gesprochenen Wortes bei 2 kHz vorliegt, die mittels Tonaudiogramm (Knochenleitung) einen Hörverlust von mindestens 60 dB aufweist.

Ein Verlust der Grundfähigkeit Hören liegt nicht vor, wenn die Einschränkung durch die Verwendung zumutbarer Hilfsmittel ausgeglichen werden kann. Zumutbares Hilfsmittel ist z.B. ein Hörgerät.“

Die Stuttgarter formuliert es so:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit „Hören“ liegt vor, wenn bei der versicherten Person – auch bei Verwendung geeigneter zumutbarer Hilfsmittel (z. B. Hörgerät) – eine dauerhafte Schwerhörigkeit auf beiden Ohren besteht. Das bedeutet, dass im Frequenzbereich des gesprochenen Wortes bei 1.000 bis 3.000 Hz, mittels Tonaudiogramm (Knochenleitung) ein Hörverlust von mindestens 80 % nachgewiesen wird. Dieser muss außer dem anhand eines weiteren anerkannten Testverfahrens (z. B Hirnstammaudiometrie) bestätigt werden“

Für einen Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung ist das doof. Denn handelt sich hier um verschiedene Messverfahren. Dezibel werden in einem Tonaudiogramm gemessen, Prozente in einem Sprachaudiogramm. Ein Hörverlust von 60 dB liegt zwischen mittel- und hochgradiger Schwerhörigkeit. Das sind die Stufen 2-3 in einem 4-stufigen System. 80% liegt zwischen hochgradiger Schwerhörigkeit und Resthörigkeit. Das sind die Stufen 3-4 in einem 5-stufigen System.

Was ist besser?

Auch hier ist der Unterschied in der Praxis eher selten relevant. Die Unterteilung in Dezibel scheint aber gefühlt ein Stück besser zu sein. Die DEVK macht die Verwirrung komplett und leistet, wenn ich unterhalb von 90 dB nichts mehr hören kann.
Hier und auch bei allen anderen Leistungsauslösern muss uns klar sein, dass die Einschränkung auch mit Verwendung von angemessenen Hilfsmitteln bestehen muss. Was dabei jeweils angemessen ist, entscheidet auch über die Qualität des Auslösers.

Der Gleichgewichtssinn im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Der Verlust des Gleichgewichtssinnes ist in allen Premium-Tarifen enthalten. Außer bei der Aachen Münchener, der Württembergischen und der Zurich. Alles zwischen A-W-Z hat das aber mitversichert.

Die Swiss Life definiert das so:

„Ein Verlust des Gleichgewichtssinnes liegt vor, wenn die Versicherte Person weder 10 Meter entlang einer imaginären Linie (Strichgang) mit geschlossenen Augen ohne Fallneigung auf festem und ebenem Boden mit einem für Gehwege üblichen Bodenbelag gehen kann noch 50 Schritte auf fester und ebener Stelle mit geschlossenen Augen treten kann, ohne sich dabei um mindestens 45 Grad zur Seite zu drehen oder mit geschlossenen Augen und parallelem Fußstand keine 60 Sekunden auf fester und ebener Stelle stehen kann, ohne Fallneigung zu bekommen.

Der Verlust des Gleichgewichtssinnes ist anhand eines fachärztlichen HNO-Befundberichts nachzuweisen. Die Störung muss durch eine Verletzung oder organische Erkrankung des Gehirns (z. B. Multiple Sklerose, Schädelhirntrauma, Schlaganfall, Hirntumor, Epilepsie) oder eine nachweisbare Schädigung des Gleichgewichtsorgans oder eine Schädigung der kleinen Nerven der Füße und Unterschenkel (Polyneuropathie) verursacht worden sein.

So hat es auch die HUK definiert. Allerdings gilt dieser Auslöser erst ab 15 Jahren. Für jüngere Kunden ist er ausgeschlossen.

Ausdrücklich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind Polyneuropathien, die nachweisbar auf Alkoholmissbrauch zurückzuführen sind und alle Fälle von Gleichgewichtsstörungen auf Basis einer psychiatrischen Erkrankung.“
Dieser Auslöser ist nachvollziehbar für den Kunden. Ich bin auch versucht, das sofort mal zu testen.
Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass ich das in der Leistungsprüfung dann auch tatsächlich vormachen muss.

Unterschiede in der Definition

Die Basler und die Nürnberger haben es auch anschaulich. Aber auch hier ist der Leistungsfall schwierig zu überprüfen. Die Nürnberger schreibt:

„Der Gleichgewichtssinn der versicherten Person ist stark beeinträchtigt. Das bedeutet, dass der Gleichgewichtssinn der versicherten Person aufgrund einer organischen Erkrankung oder Verletzung derart eingeschränkt ist, dass sie nicht mehr auf der obersten Stufe einer 3-stufigen Haushaltsleiter 5 Minuten frei stehen bleiben kann (d.h. ohne sich abzustützen und ohne sich festzuhalten).

Die Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinnes muss durch einen Facharzt nachgewiesen sein. Von vornherein vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind alle Fälle, die unmittelbar oder mittelbar durch Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum verursacht wurden („Drogenkonsum“ meint Konsum von Rauschdrogen sowie den schädlichen Arzneidrogenmissbrauch ohne Indikation (sog. Medikamentenmissbrauch); nicht gemeint ist die medizinisch indizierte Einnahme von Arzneidrogen (Medikamenten)).“

Beste Formulierung im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Besser hat das z.B. die Gothaer formuliert:

„Ein Verlust des Gleichgewichtssinnes liegt vor, wenn der Gleichgewichtssinn der versicherten Person wegen einer körperlichen Ursache nicht mehr oder nur noch stark gestört funktioniert.

Das bedeutet: Der Gleichgewichtssinn ist so stark beeinträchtigt, dass die versicherte Person nicht mehr ohne stark erhöhte Unfallgefahr

  • Leitern mit einer Arbeitshöhe von einem Meter besteigen kann oder
  • auf Gerüsten in einer Arbeitshöhe von einem Meter arbeiten kann.

„Stark erhöhte Unfallgefahr“ ist dabei definiert als Kategorie B-D nach arbeitsmedizinischer Beurteilung der Gefährdungskategorien. Sie müssen die Störung mittels neurologischer Untersuchungen durch einen Facharzt belegen. Dabei müssen anerkannte Testverfahren angewendet werden.

Ausdrücklich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind diese Fälle:
  • Alle Fälle von Gleichgewichtsstörungen wegen psychischer Erkrankungen, sowie
  • alle Fälle eines Verlusts des Gleichgewichtssinnes, der im Zusammenhang mit einem Missbrauch von Alkohol, Drogen oder Medikamenten entstanden ist.

Das ist einerseits nachvollziehbar, andererseits auch objektiv überprüfbar. Und juristisch interessant ist, dass die arbeitsmedizinische Beurteilung eine unwiderlegliche Vermutung darstellen müsste. Wenn diese vorliegt, muss der Versicherer leisten.

So gut wie die Gothaer hat es nur noch die Signal. Die Allianz, Canada Life, DEVK, Die Dortmunder und der Volkswohl Bund sprechen auch von der „stark erhöhten Unfallgefahr“, aber definieren das nicht weiter. Die anderen halten sich an die Definition der Swiss Life. Die Aachen Münchener, die Württembergische und die Zurich haben diesen Auslöser nicht.

Die R+V komplettiert die Sinne mit dem Tast- und Geruchssinn.

Der Geruchs- und Geschmackssinn

Beim Riechen heißt es:

„Der Verlust der Grundfähigkeit Riechen und Schmecken liegt vor, wenn die versicherte Person selbst intensive Geruchsstoffe (z.B. Kaffee, Vanille, Pfefferminz, Zimt) und intensive Geschmacksstoffe (z.B. Glukose, Zitronensäure, Kochsalz, Chinin) nicht mehr wahrnehmen kann. Der Verlust der Grundfähigkeit muss durch einen ausführlichen Bericht eines HNO-Arztes oder eines Facharztes für Neurologie und anhand eines Testverfahrens mithilfe einer Elektroenzephalografie (EEG) nachgewiesen werden.“

Das ist für die wenigen Parfümtester, die es geben mag, interessant, aber ebenso für alle Köche. Denn ohne Geschmacks- und Geruchssinn ist es schwierig zu kochen. Mal abgesehen davon ist es allgemein unpraktisch, wenn ich keine Brandentwicklung mehr riechen oder verdorbenes im Essen nicht mehr schmecken könnte. Da der Geruchs- und Geschmackssinn altersbedingt als erstes schwindet, ist diese Absicherung ein Mehrwert.

Die Basler hat den Geruchssinn etwas eingeschränkter definiert:

„Die versicherte Person kann nicht mehr
– Menthol oder Essig riechen,
– Glucose oder Zitronensäure schmecken und
– ein wissenschaftlich anerkannter Test belegt den Verlust des Geruchs- und Geschmackssinnes. Dieser Test kann eine Elektroenzephalographie sein.

Die Einschränkung beruht nicht auf psychischen oder psychogenen Ursachen.“

Hier ist festgelegt, welche Geschmacks- und Geruchsrichtung die versicherte Person verlieren muss.

Der Tastsinn

Beim Tastsinn schreibt die R+V:

„Der Verlust der Grundfähigkeit Tastsinn liegt vor, wenn die versicherte Person aufgrund eines neurologischen Ausfalls den Tastsinn in einer Hand vollständig verloren hat. Der Verlust der Grundfähigkeit muss durch einen ausführlichen Bericht eines Facharztes für Neurologie und anhand folgender Tests nachgewiesen werden: Test auf Zwei-Punkte Diskrimination und Messung der Nervenleitgeschwindigkeit.“

Es fällt einem nicht sofort ein, für wen und in welchem Beruf das ein Mehrwert wäre. Aber immerhin sind die Sinne jetzt komplett. Und es lassen sich auch durchaus Leistungsfälle konstruieren. Bei Diabetikern geht oft auch mal der Tastsinn verloren.

Gebrauch einer Hand im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Nun sind wir bei den Grundfähigkeiten angelangt. Ab jetzt sind die Definitionen kaum noch vergleichbar. Grundsätzlich geht es bei dem Gebrauch einer Hand um Kraft, Beweglichkeit und Feinmotorik. Die Kraft lagern die meisten Versicherer in den Auslöser „Greifen und Halten“ aus. Wir werden noch öfter sehen, dass es manche Auslöser nur gibt, um einen Auslöser mehr zu haben.

Die Allianz definiert so:

„Die versicherte Person ist mit der rechten oder mit der linken Hand nicht mehr in der Lage, eine Flasche mit Schraubverschluss zu öffnen oder einen Schraubenzieher oder eine Rohrzange oder eine Schere bestimmungsgemäß zu benutzen.

Beschwerden, die zu diesen motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde erklärbar sein.“

Wie auch alle anderen Tarife leistet die Allianz mittlerweile schon, wenn nur eine Hand betroffen ist. Das ist bei einer halbseitigen Lähmung oder einem Unfall schon mal relevant.

Und immer mehr Versicherer bieten mehrere Auslöser an. Also, eine Flasche öffnen, einen Schraubenzieher, eine Schere oder eine Rohrzange zu benutzen. Bei der Allianz fällt mir das Wörtchen „bestimmungsgemäß“ auf. Ich weiß nicht genau, was das bedeuten soll. Vor allem eine Schere kann ich zum Schneiden von Papier oder Haaren benutzen.

Es würde der Bestimmung der Schere sicherlich eher entsprechen, wenn ich damit sauber arbeiten kann.

Wenn ich also nur noch schlampig Haare schneiden kann, weil ich so zittere, müsste ich doch meine Leistung bekommen, oder? Ich vermute mal, das bestimmungsgemäß bedeutet, ich kann damit Sachen zerschneiden. Aber im Zweifel würde ich es hier auf einen Prozess ankommen lassen. Mit einer Rechtsschutzversicherung.

Verschiedene Definitionen

Die Stuttgarter setzt auf nur einen Auslöser:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit „Gebrauch einer Hand“ liegt vor, wenn die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist mit der rechten oder mit der linken Hand eine geöffnete Flasche mit Schraubverschluss zu schließen und wieder zu öffnen.“
Interessant ist hier, dass die Hürde noch ein Stück niedriger ist als bei der Allianz. Bei der Stuttgarter schließe ich eine offene Flasche und öffne diese dann wieder. Da ich hier nur gegen meine eigene Kraft arbeite, dürfte das in der Regel einfacher sein.

Bei der Canada Life hilft viel viel:

„Ein Verlust liegt vor, wenn die versicherte Person mit der linken oder der rechten Hand nicht mehr in der Lage ist, eine der nachfolgend aufgeführten Tätigkeiten auszuüben:

  • eine Tastatur zu bedienen,
  • einen Schreibstift zu benutzen,
  • eine Flasche mit Schraubverschluss zu öffnen,
  • einen Schraubendreher zu benutzen,
  • eine Rohrzange zu benutzen,
  • eine Schere zu benutzen.“

Die Auslöser „Schreiben“ und „Tastatur benutzen“ gibt es in anderen Tarifen als separate Auslöser.

Bei der HUK muss ich eine Flasche schließen und öffnen oder eine Schraube in die Wand drehen. Für alle unter 15 ist nur die Flasche als Auslöser gültig.

Die R+V ist sehr präzise, wenn sie schreibt, dass ich „eine bereits auf einem Gewinde sitzende Flügelschraube der DIN 316 D mit einer Gewindegröße M10 fünf weitere Umdrehungen ein- und anschließend wieder heraus[…]drehen“ muss. Fünf volle Umdrehungen!

Die beste Definition im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Ich bin ja in der Regel vorsichtig mit so Behauptungen. Aber die Gothaer hat ziemlich eindeutig die beste Definition für den Gebrauch einer Hand.
Hier:
„Ein Verlust der Fähigkeit des Gebrauchs einer Hand liegt vor, wenn gilt: Die versicherte Person kann wegen einer körperlichen Ursache ihre linke oder ihre rechte Hand nicht mehr gebrauchen.

Das bedeutet: Die versicherte Person kann die rechte oder die linke Hand nicht mehr für alltägliche Verrichtungen einsetzen. Alltägliche Verrichtungen sind zum Beispiel: Eine Flasche mit Schraubverschluss schließen und wieder öffnen, einen Schraubendreher oder eine Schere benutzen, ein Türschloss mit einem Schlüssel öffnen.

Sie müssen die Einschränkung durch Befundberichte eines Facharztes belegen. Diese müssen bestätigen, dass die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, durch entsprechende krankhafte Befunde erklärbar sind.“

Ich finde nicht unbedingt die einzelnen Auslöser besser. Mich begeistert, dass die Gothaer die Auslöser nicht abschließend aufzählt. Die Auslöser sind beispielhaft. Ich kann den Nachweis also über jede vergleichbare Einschränkung führen. Das finde ich nachahmenswert. Auch für andere Grundfähigkeiten.

Greifen und Halten

Der Volkswohl Bund hat diesen Auslöser im Gebrauch der Hand integriert:

„Ein Verlust liegt vor, wenn die versicherte Person mit der rechten oder mit der linken Hand nicht mehr in der Lage ist, – ein leeres, auf einem Tisch stehendes Wasserglas zu greifen und so umzudrehen, dass es auf der geöffneten Seite steht oder – ein leeres Wasserglas 5 Minuten zu halten, auch nicht, wenn der Unterarm abgestützt wird. “

Es geht beim Greifen und Halten um den Kraftaufwand. Mehr ist es nicht. Versichert ist es bei der Allianz, der Nürnberger, der Signal und der Stuttgarter.

Bei der Nürnberger heißt es:

„Die Fähigkeit der versicherten Person, mit einer Hand einen Gegenstand zu greifen und zu halten, ist zumindest an einer ihrer beiden Hände stark beeinträchtigt. Das bedeutet, dass sie mit der linken oder mit der rechten Hand nicht mehr in der Lage ist, einen leichten Alltagsgegenstand (z. B. ein Wasserglas, einen Stift oder einen Kochlöffel) zu greifen und ununterbrochen für 5 Minuten, auch unter Ablage des Unterarmes, in der Luft zu halten, ohne dass er ihr aus der Hand fällt.“

Mir persönlich gefällt es zwar, wenn ich mir aussuchen kann, welchen Gegenstand ich nicht mehr halten kann. Aber ich weiß ja auch, wie ich mit Hilfe des § 305 c (2) BGB auslegungsbedürftige Begriffe zu meinen Gunsten interpretieren kann.

Ich fände es besser, ich müsste ein Seil der Stärke x cm mit einem Gewicht von x kg für x Minuten halten, ohne dass es mehr als x cm verrutscht. Da gäbe es nix auszulegen.

Gebrauch der Arme im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Bei den Armen geht es um Beweglichkeit und Kraft. Einige Versicherer sind schlau und machen da wieder 2 Auslöser daraus. Die Kraft ist dann bei der Fähigkeit „Heben und Tragen“ dran.

Die Swiss Life hat beides in einem:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Gebrauchs der Arme liegt vor, wenn die Versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, den rechten oder linken Arm in gestreckter Armhaltung bis auf Schulterhöhe zu heben und 10 Sekunden lang in dieser Position zu halten und mit dem Arm, der nicht auf Schulterhöhe gehoben werden kann, gleichzeitig auch nicht fähig ist, einen mit einem Griff versehenen Gegenstand von 5 kg von einem Tisch zu heben und 5 Meter weit auf festem und ebenem Boden gehend zu tragen.

Die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde (z. B. Zustand nach Schlaganfall, Morbus Parkinson) erklärbar sein.“ Da ist an sich alles drin und es gibt auch nix zu meckern.

Wenn man aber genauer hinsieht, bekomme ich bei der Swiss Life erst Geld, wenn ich BEIDE Auslöser nicht erfülle. Kann ich noch eines von beiden, bekomme ich nix.

Verschiedene Definitionen

Die Allianz macht unbewusst, vermute ich, ein ziemliches Fass auf:
„Die versicherte Person ist nicht mehr in der Lage, mit dem linken oder dem rechten Arm in Schulter- bzw. Brusthöhe zu arbeiten. Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde erklärbar sein.
Wie ich schon oben erklärt habe, hat die Grundfähigkeitsversicherung nix mit meinem Beruf zu tun. Trotzdem schreibt die Allianz, dass ich für diesen Leistungsauslöser außerstande sein muss, in Schulter- bzw. Brusthöhe zu arbeiten. Tja… Als Versicherungsmakler arbeite ich überhaupt nicht auf Schulterhöhe.

Darf ich mir jetzt eine Arbeit aussuchen?

Ich denke, ich weiß, was die Allianz meint. Nämlich alltägliche Aufgaben, wie eine Tasse oder ein Buch ins Regal stellen. Dann sollte ich das aber auch so schreiben. So ist das durchaus angreifbar.

Da es zeitlich nicht begrenzt ist, könnte ich ja einfach mal behaupten, dass ich nicht mehr einen Tag als Eisenbieger arbeiten kann. Denn rechtlich ist es ja so, dass der Versicherer die Möglichkeit hat, alles gut verständlich und objektiv überprüfbar zu formulieren. Wenn er das nicht schafft, dann darf ich das so interpretieren, wie ich das will. So steht das in § 305 c (2) BGB. Eine gute Argumentation und ein Anwalt sind aber sicher trotzdem hilfreich.

Die Nürnberger hat das so gelöst:

„Die Fähigkeit der versicherten Person, einen Arm zu gebrauchen, ist zumindest an einem ihrer beiden Arme stark beeinträchtigt. Das bedeutet, dass sie mit dem linken oder dem rechten Arm nicht mehr in der Lage ist, in Schulter- bzw. Brusthöhe einen 200 g leichten Gegenstand auf einem Regal in Schulter- bzw. Brusthöhe zu platzieren und wieder herunter zu nehmen.“

Anders aber auch sehr gut haben das z.B. der Volkswohl Bund und die R+V gelöst:

„Der Verlust der Grundfähigkeit Gebrauch eines Arms liegt vor, wenn die versicherte Person den linken oder den rechten Arm nicht
– seitwärts bewegen und 10 Sekunden abgespreizt auf Schulterhöhe halten,
– nach vorne bewegen und 10 Sekunden abgespreizt auf Schulterhöhe halten und
– in beide Richtungen drehen kann.“

Bei der Basler muss ich den Arm nicht drehen. Nur nach vorne ODER seitlich heben und 10 Sekunden halten. Damit muss die Beweglichkeit stärker eingeschränkt sein, um Leistung zu erhalten als bei den vorhergenannten.

Heben und Tragen im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Außer der Allianz, Der Dortmunder, der R+V, der Württembergischen und der Zurich hat diesen Auslöser jeder. Sogar die Swiss Life, die ja schon beim Gebrauch der Arme verlangt, 5 kg 5 m weit zu tragen. Sie schreibt:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Hebens und Tragens liegt vor, wenn die Versicherte Person mit der rechten oder mit der linken Hand nicht mehr in der Lage ist, einen mit einem Griff versehenen Gegenstand, der ein Gewicht von 2 kg hat, vom Boden anzuheben und mit dieser Hand 1 Minute lang zu halten.

Die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde (z. B. Zustand nach Schlaganfall, schwere Arthrosen) erklärbar sein.“

Merkwürdig ist, dass die Swiss Life hier weniger Gewicht verlangt. Dafür muss ich das Gewicht nicht tragen. Ich muss es eine Minute halten.

Die übrigen Anbieter verlangen, die 2 kg 5 m weit zu tragen. Nur die Gothaer und die Basler schreibt von 5 kg. Dadurch wirkt ihr Auslöser als besser. Eigentlich deckt er sich aber mit der Grundfähigkeit „Armgebrauch“ der Swiss Life, wo diese Fähigkeit aber zusätzlich zur Beweglichkeit getestet wird.

Knien und Bücken im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Ich denke, das Knien und Bücken ist eine sehr wichtige Grundfähigkeit.

Gefühlt ist die alltägliche Belastung des Rückens und der Knie höher als beispielsweise der Arme und der Hände.

Ich muss aber wissen, dass ich nicht schon eine Leistung erhalte, wenn ich nicht mehr arbeiten kann, weil das andauernde Knien und Bücken nicht mehr geht. Ich muss schon den Leistungsauslöser, der in den Bedingungen steht, erfüllen.

Bei der Zurich ist das ganz gut gelungen:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Kniens oder Bückens liegt vor, wenn die versicherte Person nicht fähig ist,
  • sich auf den Boden niederzuknien und sich dann wieder aufzurichten oder
  • sich so weit zu bücken, dass sie einen Bleistift vom Boden aufheben könnte und sich dann wieder aufzurichten.“

Ich muss einen Bleistift aufheben. Das ist in der Regel schwieriger als nur den Boden zu berühren, wie es bei den anderen Marktteilnehmern der Fall ist.

Die Bayerische ist etwas katholischer als der Rest und verlangt das Knien mit beiden Knien:

„Der Verlust der Grundfähigkeit Knien liegt vor, wenn die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, sich auf einem ebenen und festen Untergrund mit beiden Knien auf den Boden hinzuknien und sich ohne Unterbrechung aus eigener Kraft (auch mit Abstützen am Boden) wiederaufrichten kann.
Der Verlust der Grundfähigkeit Bücken liegt vor, wenn die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, sich aus eigener Kraft so weit zu bücken (auch mit angewinkelten Knien), dass sie mit den Fingerspitzen beider Hände den Boden berührt und sich ohne Unterbrechung aus eigener Kraft (auch mit Abstützen am Boden) wiederaufrichten kann.“

Die Signal fand das irgendwie gut und hat das übernommen. Es bleibt abzuwarten, ob der Markt folgt. Grundsätzlich ist es aber schon schwieriger, sich mit beiden Knien hinzuknien.

Die Basler hat das beste aus beiden Welten. Ich muss mich mit beiden Knien hinknien und beim Bücken einen leichten Gegenstand (z.B. einen Bleistift) aufheben.

Ich würde ein Blatt Papier nehmen. Das ist leicht, lässt sich aber kaum greifen 🙂

Die Württembergische hat diesen Auslöser nicht.

Schreiben im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Schreiben ist im Wesentlichen eine feinmotorische Leistung der Hand. Wie oben schon erwähnt, hat die Canada Life den Auslöser auch beim „Gebrauch der Hand“ eingeschlossen.

Diese Grundfähigkeit haben die Basler, Die Bayerische, Die Dortmunder, die Gothaer, die HUK Coburg, die Nürnberger, die Signal, die Stuttgarter, die Swiss Life und der Volkswohl Bund im Tarif.

Bei der Gothaer heißt es:

„Ein Verlust der Schreibfähigkeit liegt vor, wenn die versicherte Person wegen einer körperlichen Ursache nicht mehr schreiben kann.

Das bedeutet: Die versicherte Person

  • kann weder mit der rechten noch mit der linken Hand mindestens fünf dreisilbige Wörter in Druckbuchstaben schreiben,
  • so dass ein unbeteiligter Dritter sie lesen kann.

Sie müssen die Einschränkung durch Befundberichte eines Facharztes belegen. Diese müssen bestätigen, dass die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, durch entsprechende krankhafte Befunde erklärbar sind.“
Bei allen anderen sind es 5 Wörter mit 10, bei der Nürnberger und der Basler 5 Wörter mit 5 Buchstaben. Ein dreisilbiges Wort mit mehr als 10 Buchstaben wäre z.B. der Schweinestall.

Die Basler bringt einen Zeitwert mit ein. Die Wörter müssen in 5 Minuten geschrieben sein. Das finde ich einen Schritt in die richtige Richtung.

Für unter 15 Jährige ist dieser Auslöser bei der HUK Coburg ausgeschlossen. Zwischen 14 und 18 kann ich den Auslöser MIT erneuter Gesundheitsprüfung beantragen. Ich weiß nicht genau, was das soll, aber so steht es echt in den Bedingungen…

Tastatur benutzen

Die Canada Life hat auch das Tastatur benutzen als Auslöser im „Gebrauch der Hand“ enthalten, die Basler im Auslöser „Schreiben“. Die Gothaer und Die Bayerische führen das extra auf.

Die Bayerische formuliert es so:

„Der Verlust der Fähigkeit, eine Tastatur zu benutzen, liegt vor, wenn die versicherte Person auch unter Verwendung zumutbarer Hilfsmittel nicht mehr in der Lage ist, mindestens fünf sinngebende Wörter mit jeweils mindestens zehn Buchstaben zu tippen oder abzutippen.

Ein Verlust der Grundfähigkeit Tastatur benutzen liegt nicht vor, wenn die Einschränkung durch die Verwendung zumutbarer Hilfsmittel vermieden werden kann. Zumutbares Hilfsmittel ist z.B. eine ergonomisch geformte Tastatur.“

Die Gothaer so:

„Ein Verlust der Fähigkeit zu tippen liegt vor, wenn die versicherte Person wegen einer körperlichen Ursache nicht mehr auf einer Tastatur tippen kann.

Das bedeutet: Die versicherte Person ist nicht mehr in der Lage,

  • eine Minute ohne Pause zielgerichtet mit einem Finger zu tippen.
  • Zielgerichtet heißt zum Beispiel, eine vorgegebene Reihe von Buchstaben tippen zu können.

Sie müssen die Einschränkung durch Befundberichte eines Facharztes belegen. Diese müssen bestätigen, dass die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, durch entsprechende krankhafte Befunde erklärbar sind.“

Es wäre sinnvoll, beide Auslöser zu kombinieren. Denn 5 Wörter mit 10 Buchstaben zu tippen, ist nur dann sinnvoll zu bewerten, wenn ich weiß, wie lange ich dafür brauchen darf. Und zu wissen, dass ich eine Minute ohne Pause tippen muss, ist nur dann sinnvoll messbar, wenn eine Anzahl an Buchstaben vorgegeben ist.

Ich kann auch 2 Wörter in einer Minute „flüssig“, also ohne Pause, schreiben. Das ist halt keine sinnvolle Nutzung einer Tastatur. Aber mit dem Geier-Such-System geht das auch bei stärkeren Einschränkungen.

Fingerfertigkeit

Die Nürnberger hat das Tippen in dem Auslöser „Fingerfertigkeit“. Das ist im Grunde die Feinmotorik der Hand.

„Die Fingerfertigkeit der versicherten Person ist an beiden Händen stark beeinträchtigt. Das bedeutet, dass sie

  • weder mit der linken noch mit der rechten Hand mehr in der Lage ist, eine Schraube mit Regelgewinde und 8 mm Durchmesser in eine passende Mutter zu schrauben, so dass sie sitzt, oder
  • weder mit der linken noch mit der rechten Hand mehr in der Lage ist, eine PC-Tastatur bestimmungsgemäß zu bedienen, so dass sie 5 Wörter, jeweils in der Länge von 5 Buchstaben, tippen kann.“

Diesen Auslöser hat nur noch der Volkswohl Bund und die Basler. Da gefällt mir besonders gut, dass der VWB meinen Vorschlag aus einem früheren Artikel zu diesem Thema aufgenommen hat und mit einem Schlüsselrohling eine Tür öffnen lässt:

„Ein Verlust liegt vor, wenn die versicherte Person mit der rechten oder mit der linken Hand nicht mehr in der Lage ist, – eine passende Mutter auf ein fixiertes Regelgewinde von 10 mm Durchmesser (metrisches ISO-Gewinde M10) zu schrauben oder – eine Haustür mit Zylinderschloss aufzuschließen, wenn sich der Schlüssel bereits im Schloss befindet. “

Bei der Basler hat das Gewinde 8mm Durchmesser, was auf dem Papier 20% besser ist, aber in der Praxis wahrscheinlich nicht so sehr ins Gewicht fällt. Außerdem kann ich den Auslöser bei der Basler darüber erreichen, dass ich einen unbeschädigten Reißverschluss einer Jacke aufziehen kann. Das lässt sich gefühlt auch gut erreichen, da die Finger mit einiger Kraft den Reißverschluss festhalten müssen.

Ich wäre noch weiter gegangen und hätte den Schlüsselrohling vom Tisch aufnehmen und ins Schloss stecken lassen. Aber das ist wohl zu schwierig.

Gehen im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Wieder wichtiger ist der Gebrauch der Beine. Diese Fähigkeit hat so keiner. Aber Gehen und Treppensteigen haben alle. Ist für mich aber mehr oder weniger das Gleiche. Ist auch bei allen mehr oder weniger gleich formuliert. Hier die Gothaer:

„Ein Verlust der Fähigkeit des Gehens liegt vor, wenn die versicherte Person wegen einer körperlichen Ursache nicht mehr gehen kann.

Das bedeutet:

  • Die versicherte Person kann keine Entfernung von 400 Meter über einen festen, ebenen Boden gehend zurücklegen,
  • ohne sich abzustützen oder zu setzen.

Sie müssen die Einschränkung durch Befundberichte eines Facharztes belegen. Diese müssen bestätigen, dass die Beschwerden, die zu den motorischen Einschränkungen führen, durch entsprechende krankhafte Befunde erklärbar sind.

Ein Verlust der Fähigkeit des Gehens liegt nicht vor, wenn gilt: Diese Einschränkung kann durch die Verwendung zumutbarer Hilfsmittel vermieden werden. Hilfsmittel können zum Beispiel ein Gehstock oder eine Prothese sein. Nicht zu den Hilfsmitteln zählen jedoch Unterarmstützen und Rollatoren.“

Die Benennung der Hilfsmittel, die nicht zulässig sind, hebt diese Definition von anderen ab. Tatsächlich ist mir ein Fall bekannt, in dem die Leistung abgelehnt wurde, weil der Kunde mit Unterarmstützen es einmal um die Aschenbahn geschafft hat.

Die Canada Life weicht auch inhaltlich ab und leistet erst, wenn ich keine 200m mehr gehen kann.

Treppensteigen im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Beim Treppensteigen steckt der Teufel im Detail. Die Bayerische formuliert:

„Der Verlust der Grundfähigkeit Treppensteigen liegt vor, wenn die versicherte Person auch unter Verwendung zumutbarer Hilfsmittel nicht mehr in der Lage ist, 12 Treppenstufen mit einer für Wohngebäude üblichen Stufenhöhe von 18-20 cm (DIN 18065) und mit einem für Wohngebäude üblichen Bodenbelag ohne Unterbrechung hinauf- und hinabzusteigen.

Ein Verlust der Grundfähigkeit Treppensteigen liegt nicht vor, wenn die Einschränkung durch die Verwendung zumutbarer Hilfsmittel vermieden werden kann. Zumutbare Hilfsmittel sind z.B. Treppengeländer, Treppenlauf oder Gehstock.“

Die Stuttgarter schreibt hingegen:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit „Treppe steigen“ liegt vor, wenn die versicherte Person – auch bei Verwendung geeigneter zumutbarer Hilfsmittel (z. B. Treppenhandlauf) und Pausen von insgesamt maximal einer Minute – nicht mehr in der Lage ist selbstständig eine Treppe von 12 gleich hohen Stufen mit üblicher Stufen höhe von 18 bis 20 cm und festem Bodenbelag hinauf oder hinabzusteigen.“
Die Stuttgarter  nennt eine maximale Pausenlänge, was sehr gut ist. Die Bayerische definiert etwas genauer. Das ist ok. Auch die Nennung der Hilfsmittel mein ich nicht. Bei der Bayerischen muss ich die Stufen hinauf- UND hinabsteigen, bei der Stuttgarter nur hinauf ODER hinab… Das ist schnell mal überlesen, aber dann doch sehr wichtig.Die Formulierung der Stuttgarter hat noch die Canada Life und die Gothaer.

Nur die Aachen Münchener hat diesen Auslöser nicht.

Bei der Allianz heißt es, ich muss die Stufen „ohne Unterbrechung“ schaffen. Das ist auch eine Unterbrechung von weniger als einer Minute. Im Zweifel gilt auch hier der § 305 c (2) BGB.

Stehen im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Ich bin mir nicht sicher, welche Erkrankung oder Verletzung dazu führen würde, dass ich nach Gehen, aber nicht mehr Stehen kann. Ich könnte mir irgendwelche Venen-Erkrankungen vorstellen.

Die Nürnberger definiert das so:

„Die Fähigkeit der versicherten Person, zu stehen, ist stark beeinträchtigt.
Das bedeutet, dass die versicherte Person auch bei Verwendung geeigneter und zumutbarer Hilfsmittel (z. B. Prothesen, Orthesen, Stützbandagen; nicht aber mitgeführte Geräte wie Unterarm-Gehstützen) nicht mehr in der Lage ist, 10 Minuten durchgehend frei auf ebenem festem Boden stehen zu bleiben, auch nicht unter Veränderung der Haltung.“

Fun Fact: Die Nürnberger ist der einzige Versicherer, bei dem die Grundfähigkeit nicht verloren gehen muss. Hier muss sie stark beeinträchtigt sein. Im Ergebnis das gleiche. Schön ist, dass hier die Hilfsmittel definiert sind.
Bei der Swiss Life muss ich barfuß sein:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit des Stehens liegt vor, wenn die Versicherte Person auch mit Veränderung der Körperhaltung nicht mehr in der Lage ist, 10 Minuten lang barfuß auf festem und ebenem Boden zu stehen, ohne sich abzustützen.

Die Beschwerden, die zu den Einschränkungen führen, müssen durch entsprechende krankhafte Befunde erklärbar sein.“

Bei der Stuttgarter gehen auch orthopädische Schuhe:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit „Stehen“ liegt vor, wenn die versicherte Person – auch bei Verwendung geeigneter zumutbarer Hilfsmittel (z. B. Gehhilfe, orthopädische Schuhe) – nicht mehr in der Lage ist selbst ständig auf festem und ebenem Boden 10 Minuten lang ununterbrochen zu stehen und zwar auch dann nicht, wenn sie dabei ihre Körperhaltung verändert oder sich dabei abstützt.“

In meinen Augen hat hier die Swiss Life die Nase vorn. Die Bayerische verlangt auch, barfuß zu sein.

Sitzen

Da kann ich mir kaum was vorstellen, ehrlich gesagt… Wenn ich nicht mehr sitzen kann, kann ich schon vorher nicht mehr gehen oder stehen. Im Einzelfall kann es aber nach einem Unfall schon mal relevant sein. Hier ist der Markt aber homogen.

Die Signal formuliert es wie alle anderen auch:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit Sitzen liegt vor, wenn die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, 20 Minuten ununterbrochen auf einem Stuhl mit Rückenlehne zu sitzen, auch nicht mit Änderung der Sitzposition oder mit Abstützen auf Armlehnen.“

Die Swiss Life verlangt einen orthopädischen, die Bayerische einen ergonomischen Stuhl. Das hat aber wohl eher klarstellenden Charakter. Und wenn, dann ist es eher eine Verschlechterung. Denn in den anderen Formulierungen könnte ich ja unterstellen, dass ein handelsüblicher Stuhl mit Armlehnen und Rückenlehne gemeint ist.

Die Württembergische hat diesen Auslöser nicht.

Ziehen und Schieben

Die Basler hat als einziger den Auslöser Ziehen und Schieben:

„Die versicherte Person hat mindestens eine dieser Fähig keiten verloren:

a. Ziehen
Die versicherte Person kann nicht einen mit einem Gewicht von 85 kg (das jeweilige Eigengewicht für Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr) ordnungsgemäß belade nen, manuellen, unbeschädigten Standard-Handwagen oder Standard-Handhubwagen 100 Meter weit auf ebenem, festem Boden ziehen.

b. Schieben
Die versicherte Person kann nicht eine 85 kg (das jeweilige Eigengewicht für Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr) schwere Person in einem manuellen, unbeschädigten Standard-Rollstuhl 100 Meter weit auf ebenem, festem Boden schieben.“

Ich kann das noch nicht so recht bewerten. Ich denke mal, dass jemand, der selbst nur 50 kg wiegt, hier vielleicht schneller Probleme bekommen könnte. Interessant ist der Auslöser vor allem, weil er die Belastung mehrer Gelenke gleichzeitig betrifft. Wer z.B. eine schmerzhafte Erkrankung eines Handgelenks hat, wird einen Rollstuhl nur im Kreis herum schieben können.

Es ist zu beobachten, wie und ob da Mitbewerber nachziehen. Oder schieben.

Autofahren im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Das Autofahren ist ja keine Fähigkeit, sondern eine Fertigkeit. Ich muss das erlernen oder erlernen können. Da mehrere Dinge dazu führen können, dass mir die Fahrerlaubnis entzogen wird, ist dieser Auslöser verhältnismäßig wichtig.

Und er macht sogar andere Auslöser überflüssig. So muss ich z.B. schon den Führerschein abgeben, wenn meine Sehkraft zu 50% beeinträchtigt ist. Im Auslöser Sehen darf ich maximal 5% Restsehvermögen besitzen. Beim Hören ist es ähnlich und auch das Sitzen dürfte mit diesem Auslöser überflüssig sein. Außer der Aachen Münchener hat das jeder Versicherer in der Premium-Variante.

Die Nürnberger formuliert es folgendermaßen:

„Die versicherte Person hat aufgrund gesundheitlicher Beeinträchtigung die Fahrtauglichkeit Klasse B verloren. Das bedeutet, dass sie infolge Krankheit, Verletzung des Körpers oder Kräfteverfalls gesundheitlich beeinträchtigt und ausschließlich deswegen nicht mehr in der Lage ist, einen Personenkraftwagen (PKW) der Klasse B zu führen, weswegen ein Gutachten entsprechend § 11 Führerscheinverordnung (FeV) vom 13. Dezember 2010 die fehlende Fahrtauglichkeit

  • voraussichtlich mindestens für die Dauer des vereinbarten Prognosezeitraums feststellt oder
  • bereits mindestens für die Dauer des vereinbarten Prognosezeitraums festgestellt hat

und der versicherten Person infolge dessen die Fahrerlaubnis der Klasse B nachweislich entzogen wird oder nicht mehr erteilt werden kann. Der Versicherungsfall endet, wenn die versicherte Person aus gesundheitlichen Gründen wieder geeignet wäre, einen Führerschein der Klasse B zu erhalten.

Von vornherein vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind alle Fälle, die unmittelbar oder mittelbar durch Alkoholkonsum oder Drogenkonsum verursacht wurden („Drogenkonsum“ meint Konsum von Rauschdrogen sowie den schädlichen Arzneidrogenmissbrauch ohne Indikation (sog. Medikamentenmissbrauch); nicht gemeint ist die medizinisch indizierte Einnahme von Arzneidrogen (Medikamenten)).“

Logisch ist, dass ich kein Geld bekomme, wenn ich wegen Alkohol oder Drogen meinen Führerschein verliere.

Sinnvolle Formulierungen

Mir gefällt hier gut, dass es ausdrücklich um den PKW-Führerschein geht. Bei der Canada Life gilt es ebenfalls für Krafträder.

Ebenfalls positiv ist, dass ich den Führerschein nicht verlieren muss. Ich erhalte auch meine Rente, wenn ich den Führerschein nicht machen könnte. Das ist deswegen wichtig, weil die Grundfähigkeitsversicherung auch mal an Schüler verkauft wird, die noch keinen Führerschein haben. Bei der Swiss Life, der Zurich, der DEVK, der Dortmunder und der Stuttgarter gilt die Klausel nach dem Wortlaut der Bedingungen erst nach Erwerb des Führerscheins. Bei der HUK Coburg ist der Schutz sogar vor dem 18. Lebensjahr ausgeschlossen.

Unterschiede in den Bedingungen

Die Bayerische hat ihre Klausel positiv erweitert:

„Der Verlust der Fähigkeit zum Autofahren liegt vor, wenn die VERSICHERTE PERSON aufgrund von körperlichen Ursachen nicht mehr zum Führen eines Personenkraftwagens (PKW) in der Lage ist.

Dazu muss aus körperlichen Gründen die Fahrerlaubnis für PKW nachweislich entzogen oder nachweislich freiwillig bei der zuständigen Führerscheinbehörde abgegeben werden.
Ein verkehrsmedizinisches Gutachten muss bestätigen, dass die versicherte Person aufgrund von körperlichen Einschränkungen nicht mehr zu Führen eines PKW in der Lage ist.

Es liegt – vorbehaltlich Satz 2 – ebenfalls der Verlust der Fähigkeit zum Autofahren vor, wenn die VERSICHERTE PERSON aus körperlichen Gründen keine Fahrerlaubnis für PKW mehr erwerben kann.

Dies gilt für einen Zeitraum von 20 Jahren, beginnend ab dem Zeitpunkt, ab dem der Erwerb der Fahrerlaubnis für PKW für die VERSICHERTE PERSON erstmals möglich ist oder möglich war. Ein verkehrsmedizinisches Gutachten muss bestätigen, dass die VERSICHERTE PERSON aus körperlichen Gründen keine Fahrerlaubnis für PKW mehr erwerben kann.“

Die Bayerische leistet also auch, wenn ich den Führerschein freiwillig abgebe. In der Regel wird mir der Führerschein erst entzogen, wenn ich im Straßenverkehr auffalle. Ich denke mal, dass alle anderen Versicherer auch leisten würden, wenn ich den Führerschein abgebe. Aber es ist selbstverständlich besser, wenn es in den AVB geregelt ist.

Es wäre in meinen Augen noch zu klären, wo ich das verkehrsmedizinische Gutachten herbekomme, wenn ich den Führerschein freiwillig abgebe. Ich hab keine Ahnung, ob und wo ich so was beantragen kann. Und ich weiß auch nicht, was das kostet.

Mittlerweile hab ich mich mal informiert. So ein Gutachten kostet etwa 500-1.000 Euro. Ich bin mir aber immer noch nicht sicher, welche Anforderungen es dann erfüllen muss und ob die Bayerische da jedes Gutachten akzeptiert oder es eben ein Gegengutachten gibt…

Die Bayerische hat die Freiwilligkeit als einziger Versicherer ausformuliert.

Nachteilige Formulierung

Allerdings hat er halt genau dafür die ganze Zeit bezahlt. In meinen Augen müsste der Tarif dann mit 37 günstiger werden. Außerdem müsste der Kunde explizit auf die Einschränkung hingewiesen werden. Bisher hat diese Formulierung nur die Bayerische und der Volkswohl Bund.

Aber wir wollen mal die Kirche im Dorf lassen… Praktisch dürfte es nur selten so sein, dass jemand mit 50 Jahren darauf käme, dass seine Einschränkung ihn davon abhalten würde, seinen Führerschein zu machen, was er bisher nicht gemacht hat. Andererseits ist vor allem die Generation Y und Z dafür bekannt, auf einen eigenen PKW zu verzichten.

Ich beobachte mal, ob sich das am Markt durchsetzt.

Die HUK Coburg schließt diese Fähigkeit für unter 15-Jährige aus. Aber auch hier kann ich den Leistungsauslöser MIT erneuter Gesundheitsprüfung einschließen. Also auch hier nur ein scheinbarer Vorteil. Praktisch ist diese Klausel ohne Nutzen.

Die Gothaer berücksichtigt seit neuestem auch das Ein- und Aussteigen in ein Auto. Damit ist weder ein SUV, noch ein Sportwagen gemeint. Ein normales Auto, halt. Das ist vor allem für alle interessant, die mit dem BMI ein Problem haben. Denn da kann es durchaus mal sein, dass das Ein- und Aussteigen nicht mehr klappt. Aber auch Einschränkungen im Bewegungsapparat können zum Verlust dieser Grundfähigkeit führen.

Die Basler hat diesen Auslöser unter dem Überbegriff Mobilität zusammengefasst, was ich sehr treffend finde.

Die Württembergische hat diesen Auslöser – Überraschung- nicht.

Der Intellekt im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Mit Intellekt ist nicht unbedingt das gemeint, was man landläufig darunter verstehen würde.

Die Nürnberger formuliert es folgendermaßen:

„In Bezug auf
die Auffassungsgabe oder
die Konzentration bzw. Aufmerksamkeit oder
das Gedächtnis oder
die Handlungsplanung

ist die geistige Leistungsfähigkeit der versicherten Person schwer gestört (z. B. durch eine Demenz, Schizophrenie, Psychose). Das bedeutet, dass die versicherte Person nicht mehr in der Lage ist, alltagsrelevante Tätigkeiten (z. B. die Organisation oder Strukturierung des eigenen Tagesablaufs) auszuführen.

Die Erkrankung/Verletzung des zentralen Nervensystems ist durch einen Neurologen, Psychiater oder Nervenarzt festzustellen und von diesem ist mittels eines üblicherweise standardisierten Tests zu zeigen, dass die versicherte Person in Bezug auf die bei ihr gestörte Fähigkeit (Auffassungsgabe bzw. Konzentration/Aufmerksamkeit bzw. Gedächtnis bzw. Handlungsplanung) zu den schlechtesten 10 % der Bevölkerung gehört. Es kommen je nach gestörter Fähigkeit z. B. folgende Tests in Betracht:

Auffassungsgabe: HAWIE, WST o. Ä.
Konzentration/Aufmerksamkeit: D2, TAP o. Ä.
Gedächtnis: VLMT, AVLT o. Ä.
Handlungsplanung: Turm von Hanoi, ZVT o. Ä.

Von vornherein vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind alle Fälle, die unmittelbar oder mittelbar durch Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum verursacht wurden („Drogenkonsum“ meint Konsum von Rauschdrogen sowie den schädlichen Arzneidrogenmissbrauch ohne Indikation (sog. Medikamentenmissbrauch); nicht gemeint ist die medizinisch indizierte Einnahme von Arzneidrogen (Medikamenten)).“

Unterschiede in den Formulierungen

Bis auf die Swiss Life verlangen alle Versicherer, dass ich zu den schlechtesten 10% bei den geforderten Tests gehöre. Wann genau ich in alltagsrelevanten Tätigkeiten entscheidend eingeschränkt bin, ist nicht ganz klar. Die Swiss Life und Die Bayerische schließen leichtgradige Intelligenzminderung explizit aus.
Warum Die Bayerische das tut, wenn die Hürde doch sowieso bei 10% liegt, ist unklar. Die Stuttgarter schließt es nicht explizit aus, verlangt aber eine mindestens mittelgradige Intelligenzminderung. Auch hier ist nicht ganz klar, wieso das zusätzlich zu den 10% gefordert ist.

Bis auf die Aachen Münchener und die Württembergische haben das alle Premium-Tarife versichert.

Eigenverantwortliches Handeln im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Hier geht es darum, ob mir vom Gericht ein Betreuer bestellt wurde. Die Stuttgarter formuliert wie folgt:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit „Eigenverantwortliches Handeln“ liegt vor, wenn die versicherte Person
aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung mindestens 6 Monate lang ununterbrochen gesetzlich betreut werden muss oder seit mindestens 6 Monaten ununterbrochen gesetzlich betreut wird.

Abweichend von § 2 Absatz (5) leisten wir auch, wenn die gerichtliche Entscheidung zur gesetzlichen Betreuung auf psychischen oder psychosomatischen Beeinträchtigungen beruht.“ Psychische und psychosomatische Erkrankungen sind explizit eingeschlossen.

Die Aachen Münchener, Allianz und Zurich haben diese Klausel nicht. Bei der HUK Coburg ist die Klausel bei Unter-15-Jährigen ausgeschlossen.

Die Canada Life, DEVK, die Dortmunder, die Gothaer und der Volkswohl Bund verlangen eine Betreuung für mindestens 12 Monate.

Die Hürde ist ziemlich hoch. Es müssten schon schwere Depressionen oder Schizophrenie vorliegen, damit eine Betreuung verordnet wird. Aber immerhin sind psychische Erkrankungen im schlimmsten Fall mitversichert.
Wem die psychischen Erkrankungen über den Intellekt und das eigenverantwortliche Handeln nicht ausreichend versichert ist, der kann die Leistung über einen Zusatzbaustein erweitern. Beim Volkswohl Bund liest sich das so:

Psychische Erkrankungen in der Grundfähigkeitsversicherung

„Haben Sie mit uns den Baustein „Psyche PLUS“ vereinbart, so betrachten wir auch eine schwere Depression gemäß Buchstabe a) sowie eine Schizophrenie gemäß Buchstabe b) als eine Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit.

a) Eine schwere Depression im Sinne dieser Bedingungen liegt vor, wenn eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:

  • Die versicherte Person leidet unter einer schweren depressiven Episode, die bereits 12 Monate andauert.
  • Bei der versicherten Person sind mehrere schwere depressive Episoden mit einer Gesamtdauer von mindestens 12 Monaten aufgetreten, wobei zwischen zwei schweren depressiven Episoden ein Zeitraum von höchstens 6 Monaten lag.

b) Eine Schizophrenie im Sinne dieser Bedingungen liegt vor, wenn eine der folgenden Voraussetzungen erfüllt ist:

  • Die versicherte Person leidet unter einer Schizophrenie, die bereits 12 Monate ununterbrochen andauert und aufgrund welcher in diesem Zeitraum bereits mindestens ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik stattgefunden hat.
  • Die versicherte Person leidet unter einer Schizophrenie, wegen der sie bereits für mindestens 8 Wochen in einer psychiatrischen Klinik ununterbrochen stationär behandelt wurde. Der Beginn der schweren Depression oder Schizophrenie muss in der Laufzeit dieser Versicherung liegen.

Die Diagnose

Die Diagnose der schweren Depression oder Schizophrenie muss ein Facharzt für Psychiatrie mit den nach aktuellem medizinischen Wissensstand üblichen Befunderhebungen feststellen. Wir leisten, solange eine schwere Depression oder Schizophrenie wie oben beschrieben vorliegt. Das bedeutet: – Wir leisten rückwirkend ab Beginn der schweren Depression oder Schizophrenie.
Wir stellen bei einer schweren Depression die Leistungen erst ein, wenn über einen Zeitraum von 6 Monaten keine schwere depressive Episode mehr vorlag. – Wir stellen bei einer Schizophrenie die Leistung erst ein, wenn von einem Facharzt für Psychiatrie bescheinigt wird, dass die Diagnosekriterien für Schizophrenie über einen Zeitraum von mindestens einem Jahr nicht mehr erfüllt sind.

Insbesondere darf in diesem Zeitraum kein erneuter stationärer Aufenthalt aufgrund von Schizophrenie stattgefunden haben. Ausdrücklich vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind alle Fälle, bei denen die schwere Depression oder die Schizophrenie ganz oder teilweise auf Alkohol-, Drogen- oder Medikamentenmissbrauch zurückzuführen ist.“

Schizophrenie und schwere Depression

Diesen Baustein haben außerdem die Swiss Life,  Die Bayerische und die Stuttgarter.

Der Prognosezeitraum liegt bei allen bei 12 Monaten. Bei der schweren Depression muss quasi die Netto-Zeit bei 12 Monaten liegen. Wenn ich eine depressive Episode habe, die 4 Monate dauert und innerhalb von maximal 6 Monaten eine weitere mit 4 Monaten habe, reicht das nicht aus.

Erst wenn ich eine weitere Phase mit 4 Monaten habe, ist der Prognosezeitraum erfüllt.

Es wäre spannend zu erfahren, wie häufig das vorkommt. Man mag es niemandem wünschen. Bei der Schizophrenie muss ich entweder die 12 Monate erfüllen oder 8 Wochen am Stück stationäre aufgenommen werden. Das ist auch nicht ohne.

Was macht die Nürnberger?

Die Nürnberger hat das für den Kunden besser gelöst. Hier heißt es:

„Versicherungsfall ist die vollständige Erwerbsminderung infolge psychischer Erkrankung. Das bedeutet, dass die versicherte Person aufgrund einer Störung im Sinne des Kapitels V („Psychische und Verhaltensstörungen“) der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen internationalen Klassifikation der Krankheiten (ICD-10-GM-2018; Stand 01.01.2018), die fachärztlich nachzuweisen ist,

  • voraussichtlich mindestens 12 Monate ununterbrochen nicht mehr in der Lage ist oder
  • bereits für mindestens 12 Monate ununterbrochen nicht mehr in der Lage gewesen ist, 3 Stunden täglich eine Erwerbstätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auszuüben (Höhe der Einkünfte sind nicht maßgeblich).

Die Verhältnisse am Arbeitsmarkt, insbesondere die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen, sowie der bisher ausgeübte Beruf der versicherten Person werden bei der Feststellung der Erwerbsunfähigkeit nicht berücksichtigt. In beiden Fällen leisten wir gegebenenfalls bereits rückwirkend ab Beginn des Prognosezeitraums. Der Bescheid eines Sozialversicherungsträgers ist für uns nicht bindend.

Bei diesem Zusatzbaustein gilt die primäre Risikobegrenzung nach § 1 Absatz 16 nicht, d. h. Ihr Versicherungsschutz umfasst bei diesem Zusatzbaustein insbesondere auch psychisch oder psychogen bedingte und/oder auf neurotischen Fehlentwicklungen beruhende Versicherungsfälle.

Von vornherein vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind alle Fälle, die unmittelbar oder mittelbar durch Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum verursacht wurden („Drogenkonsum“ meint Konsum von Rauschdrogen sowie den schädlichen Arzneidrogenmissbrauch ohne Indikation (sog. Medikamentenmissbrauch); nicht gemeint ist die medizinisch indizierte Einnahme von Arzneidrogen.“

Was bedeutet das?

Es sind, mit Ausnahme der alkohol- und drogenbedingten Störungen von F10-F19, alle psychischen Erkrankungen mitversichert. Da die vollständige Erwerbsminderung nicht ausschließlich infolge psychischer Erkrankung vorliegen muss, ist auch eine psychische Erkrankung als Begleitung einer körperlichen Erkrankung denkbar. Ebenso ist eine psychische Erkrankung mit Zusatzdiagnosen, wie z.B. Burn-Out, möglich.

Was macht die Basler?

Die Basler hat es sehr ähnlich gelöst. Allerdings sind die ausgeschlossenen psychischen Erkrankungen zahlreicher:

„Nicht versichert sind:
– Psychische Störungen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (F10-F19 ICD 10 GM Version 2020),
– absichtliches Erzeugen oder Vortäuschen von körperlichen oder psychischen Symptomen oder Behinderungen (artifizielle Störung; F68.1 ICD 10 GM Version 2020),
– Entwicklungsstörungen (F80-F89 ICD 10 GM Version 2020),
– Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend (F90-F98 ICD 10 GM Version 2020)
und
– nicht näher bezeichnete psychische Störungen (F99-F99 ICD 10 GM Version 2020).

Psychische Erkrankungen führen in der Regel zu einer vollständigen Erwerbsminderung, weshalb der verschlossene Arbeitsmarkt so oder so keine Rolle spielen dürfte.

Dass die Nürnberger und die Basler betonen, dass ein Bescheid eines Sozialversicherungsträgers nicht bindend sei, bedeutet nicht, dass die Bewilligung einer EMI durch die Deutsche Rentenversicherung nicht auch ausreichen kann. Dafür spricht, dass zumindest der fränkische Versicherer von Erwerbsminderung und nicht von Erwerbsunfähigkeit spricht.

Die Definition der Nürnberger ist aber in jedem Fall kundenfreundlicher als die der Wettbewerber. Denn hier sind nicht nur schwere Depression und Schizophrenie versichert, sondern fast alle weiteren psychischen Erkrankungen ebenso.

Sich orientieren als Leistungsauslöser

Die Canada Life, die DEVK und die Nürnberger haben „Sich orientieren“ als Leistungsauslöser definiert. Hat aber weniger mit Pfadfindern zu tun und mehr mit psychischen Erkrankungen. Die Nürnberger definiert wie folgt:

„Die Orientierungsfähigkeit der versicherten Person ist stark beeinträchtigt. Das bedeutet, dass sie sich selbst nicht mehr örtlich und zeitlich zu ihrer Person orientieren kann (z. B. durch eine Hirnschädigung, Schizophrenie oder Psychose) und sie deswegen nicht mehr in der Lage ist, alltagsrelevante Tätigkeiten (z. B. die Organisation oder Strukturierung des eigenen Tagesablaufs) auszuführen.

Die gesundheitliche Beeinträchtigung sowie die Unfähigkeit, alltagsrelevante Tätigkeiten auszuführen, ist durch einen Facharzt auf der Basis einer ausführlichen Befunderhebung mit körperlicher sowie psychopathologischer Untersuchung und unter Verwendung psychometrischer Tests festzustellen. Der Facharzt hat zudem mittels eines üblicherweise standardisierten Tests, der die Orientierungsfähigkeit prüft (z. B. DemTect, MMSE, MMST o. Ä.), zu zeigen, dass die versicherte Person zu den schlechtesten 10 % der Bevölkerung gehört.

Von vornherein vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind alle Fälle, die unmittelbar oder mittelbar durch Alkoholmissbrauch oder Drogenkonsum verursacht wurden („Drogenkonsum“ meint Konsum von Rauschdrogen sowie den schädlichen Arzneidrogenmissbrauch ohne Indikation (sog. Medikamentenmissbrauch); nicht gemeint ist die medizinisch indizierte Einnahme von Arzneidrogen (Medikamenten)).“

Dieser Auslöser ist eine Ergänzung zum Intellekt. Wie oft dieser Auslöser greifen kann, weiß ich nicht. Aber Haben ist halt immer besser als Brauchen.

BU-Option usw.

Apropos „Haben ist besser als Brauchen.“ Es gibt zwei Optionen, die nicht nur vertrieblich sinnvoll sind bzw. sein können.

Da wäre zunächst mal die BU-Option. Die Aachen Münchener, Die Bayerische, die Canada Life, die DEVK, die Signal Iduna, die Stuttgarter, der Volkswohl Bund, die Württembergische und die Zurich, erlauben einen Umtausch in eine Berufsunfähigkeitsversicherung ohne erneute Gesundheitsprüfung. Vor allem bei der Bayerischen, wo ich schon mit 3 Jahren eine Grundfähigkeitsversicherung abschließen kann, ist diese Option sehr spannend.

Nicht zuletzt, weil ich bei der Umwandlung überhaupt keine Probleme mehr habe wegen einer Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht. Die 10 Jahre sind dann schon vorbei und die BU-Versicherung von Beginn an sicher. Ausnahmen wie z.B. eine eingebrachte BU sind selbstverständlich immer zu bedenken.

Auch interessant ist die lebenslange Leistung von 50%, die bei der Canada Life möglich ist. Denn wenn wir die GFV nicht als Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung verstehen, sondern als Krankheitskosten- oder Freizeit-Versicherung, ist es nur logisch, dass wir diese Ausgaben auch nach 67 haben.

Und da die Canada Life dieses Feature auch bei der Dread Disease anbietet, ist es nur konsequent. Denn die Absicherungen sind halt schon sehr ähnlich.

Herzfunktion

Deswegen ist die Absicherung der Herz- und Lungenfunktion, wie es nur die Dortmunder hat, kein richtiger Knaller. Beim Herzen heißt es:

„Die Pumpleistung des Herzens der versicherten Person ist durch eine Verletzung oder eine Erkrankung wie zum Beispiel Herzinfarkt, Herzklappenerkrankungen oder Entzündungen des Herzmuskels erheblich gemindert. Eine erhebliche Minderung der Pumpleistung liegt vor, wenn
  • die Ejektionsfraktion kleiner gleich 30 % oder
  • das Fractional Shortening kleiner gleich 15 % ist.
Ejektionsfraktion und Fractional Shortening sind Messgrößen für die Pumpleistung des Herzens. Die Normalwerte sind ungefähr doppelt so hoch wie die vorgenannten Werte.
Die Pumpleistung des Herzens muss irreversibel gemindert und auch durch Medikamente nicht dauerhaft über das oben beschriebene Maß verbesserbar sein.
Wir zahlen die Rente auch weiter, wenn sich die Funktionswerte durch eine Transplantation verbessern.“

Wir liegen hier im Bereich einer hochgradigen Einschränkung. Die Tabelle hört bei kleiner 30% auf. Eine Transplantation oder das Einsetzen eines Defibrillators ist angeraten. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich dann auch keine 12 Stufen mehr hoch und runter steigen kann oder eine Kniebeuge nicht mehr möglich ist.

Lungenfunktion

Bei der Lungenfunktion ist es ähnlich:

„Die Leistungsfähigkeit der Lunge der versicherten Person ist durch eine Verletzung oder Erkrankung wie zum Beispiel schweres Asthma, Emphyseme oder chronische Entzündungen dauerhaft und unumkehrbar erheblich eingeschränkt. Das heißt,

  • die versicherte Person hat eine Sauerstoff-Langzeit-Therapie mit einem Umfang von mindestens 8 Stunden pro Tag begonnen und diese Therapie dauert noch an und
  • die verordnete Sauerstoff-Langzeit-Therapie erfolgt nach den gültigen medizinischen Leitlinien.
Wir zahlen die Rente auch weiter, wenn sich die Lungenfunktion durch eine Transplantation von Lungengewebe verbessert.“ Auch hier ist es sehr wahrscheinlich, dass bereits andere Leistungsauslöser greifen.

Nierenfunktion

Die Basler hat auch die Nierenfunktion versichert:

„Ein Arzt für Nephrologie hat bei der versicherten Person ein endgültiges, nicht mehr zu behebendes Versagen beider Nieren festgestellt. Deshalb muss eine regelmäßige Dialyse durchgeführt werden.“

Auch hier werden wahrscheinlich schon vorher andere Grundfähigkeiten verloren gegangen sein. Aber Haben ist besser als Brauchen.

Leberfunktion

Und um das Organ-Quartett voll zu machen, versichert die Basler auch die Leberfunktion:

„Ein Internist hat bei der versicherten Person eine Lebererkrankung oder Leberzirrhose im Endstadium festgestellt. Es müssen dabei mindestens zwei der folgenden Krankheitsbilder vorliegen:
– Leber-Hirn-Störung (Hepatische Enzephalopathie).
– Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle (Aszites).
– Permanente Gelbsucht.
– Krampfadern (Varizen) in der Speiseröhre oder im Magen.
Fortgeschrittene Lebererkrankungen sind nicht versichert, wenn sie nachweislich durch Alkohol-, Drogen- oder Medika mentenabhängigkeit oder -missbrauch entstanden sind.“

Fahrlizenzverlust im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Nur die Nürnberger und die Basler leisten, wenn ich meine Fahrlizenz als Berufskraftfahrer aus gesundheitlichen Gründen verliere. Dieser Zusatzbaustein ist sehr mächtig. Und er schließt die Lücke zwischen der Berufsunfähigkeitsversicherung und der Grundfähigkeitsversicherung. Denn er versichert eine Schlüsseltätigkeit, ohne die ein sinnvolles Arbeitsergebnis nicht mehr möglich wäre.

Im Unterschied zur BU-Versicherung ist ein Berufsbild versichert. Wenn ich was anderes arbeite, geht der Schutz nicht mit. Außerdem sind psychische Erkrankungen und Alkohol- und Drogenmissbrauch ausgeschlossen.

Die Klausel lautet bei der Nürnberger:

„Versicherungsfall ist der Fahrlizenzverlust Klasse C oder D infolge gesundheitlicher Fahruntauglichkeit der versicherten Person, welche diese Lizenz für die Ausübung Ihrer beruflichen Tätigkeit zeitlich überwiegend benötigt.

(a) Das bedeutet, dass die versicherte Person infolge Krankheit, Verletzung des Körpers oder Kräfteverfalls gesundheitlich beeinträchtigt und ausschließlich deswegen nicht mehr in der Lage ist, einen Lastkraftwagen (LKW) der Klasse C oder Bus der Klasse D zu führen, weswegen ein Gutachten entsprechend § 11 Führerscheinverordnung (FeV) vom 13. Dezember 2010 die fehlende Fahrtauglichkeit

  • voraussichtlich mindestens für die Dauer von 6 Monaten feststellt oder
  • bereits mindestens für die Dauer von 6 Monaten festgestellt hat

und der versicherten Person infolge dessen die Fahrerlaubnis der Klasse C oder D nachweislich entzogen wird. Der Beginn des Prognosezeitraums muss innerhalb der Versicherungsdauer liegen und wir leisten gegebenenfalls rückwirkend ab Beginn des Prognosezeitraums.

Der Prognosezeitraum beginnt mit dem Tag, für den das Gutachten erstmals die fehlende Fahrtauglichkeit aufgrund der gesundheitlichen Beeinträchtigung feststellt.

Welche Fahrzeugklassen sind versichert?

Unter der Klasse C verstehen wir alle Unterklassen, nämlich die Klassen C1, C1E, C und CE. Unter der Klasse D verstehen wir alle Unterklassen, nämlich die Klassen D1, D1E, D und DE.

Ihr Versicherungsschutz ist in diesem Zusatzbaustein von vornherein begrenzt auf körperlich bedingte Versicherungsfälle (siehe § 1 Absatz 16). Ausgeschlossen sind außerdem alle Fälle, die unmittelbar oder mittelbar durch Alkoholkonsum oder Drogenkonsum verursacht wurden („Drogenkonsum“ meint Konsum von Rauschdrogen sowie den schädlichen Arzneidrogenmissbrauch ohne Indikation (sog. Medikamentenmissbrauch); nicht gemeint ist die medizinisch indizierte Einnahme von Arzneidrogen (Medikamenten)).

Weitere Voraussetzung ist, dass die versicherte Person die Fahrerlaubnis der Klasse C oder D für die Ausübung ihrer vor Eintritt des Versicherungsfalls zuletzt ausgeübten beruflichen Tätigkeit zeitlich überwiegend benötigt.

(b) Vertragsanpassung bei Entwicklungssprung mit Veränderung der Führerscheinklassen für Lastkraftwagen (LKW)/ Bus:

Sollten sich aufgrund eines technischen bzw. technologischen Entwicklungssprunges (z. B. autonomes Fahren) die Führerscheinklassen ändern und die bisher typischerweise über die Fahrlizenzen Klasse C oder D verfügenden Berufsgruppen deswegen über eine Fahrlizenz einer neuartigen Klasse verfügen, werden wir nach den dann gültigen Rechnungsgrundlagen (Zins, Kosten, Tafel) einen entsprechend veränderten Zusatzbaustein für LKW-/Busfahren für die neuartige Klasse entwickeln.

Nach einer für die Neuentwicklung erforderlichen und angemessenen Übergangsfrist können Sie dann gegebenenfalls beantragen, dass Ihr Zusatzbaustein ohne erneute Gesundheitsprüfung entsprechend umgestellt wird.

Neuentwicklungen berücksichtigt

Bei der Neuentwicklung werden wir den Zusatzbauseiten so formulieren, dass der Beitrag möglichst identisch bleibt. Dies kann z. B. zur Folge haben, dass sich die Dauer der Prognosezeiträume ändert oder der Grad der beruflichen Erforderlichkeit von 50% nach oben oder unten angepasst werden muss.“

Berufskraftfahrer sind die größte Berufsgruppe in Deutschland. Und in der privaten Berufsunfähigkeitsversicherung ist der Bedarf nur unter finanziellen Schmerzen zu decken. Mit dieser Klausel der Nürnberger geht es aber. Und da die Nürnberger Grundfähigkeitsversicherung auch in der betrieblichen Altersversorgung möglich ist, sollten sich hier ganze Unternehmen auf einen Streich versichern lassen.

Bei der Basler sind im Baustein Beruf Plus gleich 3 Dinge versichert:

„Wir erbringen die Leistungen nach 7.1 auch, wenn die versicherte Person folgende Grundfähigkeiten verliert:

a. LKW-/Bus-Führerschein
Der versicherten Person wurde aus gesundheitlichen
Gründen die Fahrerlaubnis
– für LKW der Klassen C1, C1E, C oder CE oder
– Bus der Klassen D, DE, D1 oder D1E
– entzogen oder nicht erteilt. Der Führerschein wurde eingezogen oder abgegeben. Die Fahrtauglichkeit ist für mindestens sechs Monate aufgehoben.
Die versicherte Person benötigt überwiegend den Führerschein für die zuletzt ausgeübte berufliche Tätigkeit. Das heißt, die Tätigkeit kann ohne den Führerschein nicht ausgeübt werden.

b. Benutzung von Atemschutzgeräten (G26-Untersuchung)
Eine berufsgenossenschaftlich vorgeschriebene G26-Untersuchung nach DGUV Regel 112-190 Anhang 3 hat Folgendes ergeben: Es bestehen bei der versicherten Person dauernde gesundheitliche Bedenken. Deshalb wird sie auf ihrem aktuellen Arbeitsplatz für mindestens 12 Monate
nicht weiterbeschäftigt. Die Beschwerden oder Erkrankungen hat ein Facharzt festgestellt. Die G26-Untersuchung wurde zuvor bereits einmal bestanden. Unsere Leistung endet, wenn die versicherte Person wieder Atemschutzgeräte nach einer erneuten G26-Untersuchung benutzen kann.

c. Unbefristete Leistung bei Tätigkeitsverbot nach dem Infektionsschutzgesetz
Wir zahlen die Grundfähigkeiten-Rente unter den gleichen Voraussetzungen wie unter 8.3.7 beschrieben mit folgender Abweichung: Wir befristen die Leistung nicht und begrenzen sie nicht auf 24 Monate.
Wir erbringen keine Leistungen, wenn
– die Einschränkungen auf psychischen oder psychogenen Ursachen beruhen,
– die Einschränkungen auf Missbrauch von Alkohol, Drogen oder Medikamenten beruhen oder
– die versicherte Person eine andere Tätigkeit ausübt, zu der sie aufgrund ihrer Ausbildung und Fähigkeiten in der Lage ist und die ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht.“

Diese Klausel gefällt mir aus 2 Gründen sehr gut. Zunächst mal spricht sie einige Zielgruppen sehr direkt an: LKW- und Busfahrer, Feuerwehrleute und Gastronomen und Krankenschwestern. Das ist vertrieblich sehr spannend.

Außerdem ist die Klausel sicherlich nicht zu teuer. Denn es gibt vermutlich keinen Beruf, der alle drei Klauseln brauchen könnte. Außer vielleicht ein Feuerwehrmann, der so ein großes Feuerwehrauto fährt. Aber da weiß ich nicht mal, ob die einen besonderen Führerschein brauchen.

Die Infektionsklausel wäre eh schon versichert, aber auf 24 Monate begrenzt. Ich habe versucht, zu recherchieren, wie oft und wie lange durchschnittlich ein Tätigkeitsverbot ausgesprochen wird. Ich kam zu keinem Ergebnis, weil niemand sagen konnte, ob sowas überhaupt schon mal für längere Zeit ausgesprochen wurde.

Die Infektionsklausel im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Die Infektionsklausel ist in der Berufsunfähigkeitsversicherung ist nicht unbedingt ein Mehrwert. Der BU-Begriff schließt schon Infektionen mit ein. Die Infektionsklausel ist also reines Marketing für Ärzte.

In der Grundfähigkeitsversicherung gibt es keinen direkten Bezug zu meinem Beruf. Deswegen ist eine Leistung bei einem Arbeitsverbot wegen einer Ansteckungsgefahr durchaus ein Vorteil. Die Bayerische schreibt:

„Bei Einschluss der Option Infektion gilt als Verlust einer Grundfähigkeit, solange eine auf gesetzlichen Vorschriften oder behördlicher Anordnung beruhende Verfügung der versicherten Person verbietet wegen einer Infektionsgefahr ihre berufliche Tätigkeit auszuüben (vollständiges Tätigkeitsverbot) und sich dieses vollständige Tätigkeitsverbot auf einen ununterbrochenen Zeitraum von mindestens sechs Monaten erstreckt.“

Neben der Bayerischen und der Basler haben der Volkswohl Bund und die Nürnberger diese Klausel. Vor allem für Krankenschwestern und alle aus dem Gastrogewerbe ist diese Klausel sehr interessant.

Bildschirmtätigkeit

Diesen Leistungsauslöser hat die Gothaer und die Basler im Programm:

„Ein Verlust der Fähigkeit zur Bildschirmtätigkeit liegt vor, wenn gilt: Die versicherte Person ist wegen einer körperlichen Ursache nicht mehr in der Lage, von einem Bildschirm abzulesen.

Das bedeutet:

  • Die versicherte Person ist nicht mehr in der Lage, für einen Zeitraum von mehr als 2 Stunden Wörter und Symbole an einem Bildschirm zu erkennen.
  • Dabei sind die jeweils aktuell gültigen BG-Richtlinien zum Arbeitsschutz an Bildschirmarbeitsplätzen einzuhalten.

Sie müssen die Einschränkung durch Befundberichte eines Facharztes belegen.
Ein Verlust der Fähigkeit zur Bildschirmtätigkeit liegt nicht vor, wenn gilt: Diese Einschränkung kann durch die Verwendung geeigneter Hilfsmittel vermieden werden. Hilfsmittel können zum Beispiel eine Brille, Kontaktlinsen oder die Verwendung der Bildschirmlupe sein.“

Bei der Basler steht:

„Die versicherte Person kann nicht mehr
– über einen Zeitraum von mehr als zwei Stunden
– Wörter und Symbole an einem Bildschirm erkennen,
– wobei die Richtlinien der Berufsgenossenschaft zum Arbeitsplatz eingehalten werden müssen.“

Der Mehrwert liegt hier nicht unbedingt auf der Hand. Sollte eine Augenerkrankung oder -verletzung der Auslöser sein, dürfte der Auslöser „Führerscheinverlust“ früher greifen. Vielleicht kann aber Migräne oder Epilepsie hier früher greifen als bei anderen Auslösern.

Es ist aber auch nicht unwahrscheinlich, dass diese Fertigkeit keinen echten Mehrwert bietet. Im Marketing lässt sich das aber für die Zielgruppe Bloggern und Influencer einsetzen.

Mobilität im Marktvergleich zur Grundfähigkeitsversicherung

Die Bayerische hat diesen Baustein eingeführt. Und bisher hat jeder neue Anbieter diesen Baustein übernommen. Im Original heißt es:

„a) Fahrradfahren
Der Verlust der Grundfähigkeit Fahrradfahren liegt vor, wenn die versicherte Person ausschließlich aufgrund von motorischen Einschränkungen nicht mehr in der Lage ist, sich auf ein einspuriges Fahrrad ohne Mittelstange (Oberrohr) und mit tiefem Einstieg zu setzen und damit einen Kilometer auf ebener Strecke auf einem für Radwege üblichen Bodenbelag zu fahren.

Entscheidend für die Feststellung des Verlusts der Grundfähigkeit sind die motorischen Fähigkeiten, d.h. andere als motorische Einschränkungen (z.B. Angst, Osteoporose oder Fehlsichtigkeit) kommen damit als Ursache nicht in Betracht.

b) Nutzung Öffentlicher Personennah- und -fernverkehr Der Verlust der Grundfähigkeit Nutzung des öffentlichen Personennah- und -fernverkehr liegt vor, wenn die versicherte Person aufgrund motorischer Einschränkungen, auch unter Verwendung zumutbarer Hilfsmittel, nicht mehr in der Lage ist, ohne fremde Hilfe, in eines der Transportmittel des öffentlichen Personennah- und -fernverkehrs, z.B. Bahn, Straßenbahn, Bus, U-Bahn oder S-Bahn ein- oder aus diesen auszusteigen oder durch sie befördert zu werden.

Zumutbarer Hilfsmittel sind z.B. Gehhilfen, Haltegriffe oder reservierte Sitze für Menschen mit Mobilitätseinschränkung.

Für die Beurteilung des Verlusts der Grundfähigkeit ist nicht relevant, ob die versicherte Person selbst in Besitz der Hilfsmittel ist, oder ob diese durch den Transportdienstleister bereitgestellt oder bedient werden, wobei eine Bedienung durch das Personal nicht als fremde Hilfe angesehen wird. Zur Beurteilung des Verlusts der Grundfähigkeit wird eine maximale planmäßige Reisedauer von zwei Stunden zugrunde gelegt.“

Unterschiede zur Stuttgarter und Signal

Bisher hat nur Die Bayerische und die Basler das Fahrradfahren versichert. In meinen Augen ist auch nur das Fahrradfahren ein echter Mehrwert. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Erkrankungen oder Verletzungen der Hüfte oder der Knie das Aufsteigen oder die Benutzung eines Fahrrads unmöglich machen. Und das noch bevor ich nicht mehr Treppen steigen oder gehen kann.

Die Basler hat genau definiert, dass ich innerhalb von 10 Minuten einen Kilometer weit fahren muss. In diese Richtung muss es gehen!

Interessant ist, dass die Signal ein paar Details hinzufügt, die den Baustein „Öffentlicher Nahverkehr“ wieder deutlich aufwerten:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) liegt vor, wenn die versicherte Person aufgrund ihrer motorischen Einschränkungen – auch bei Verwendung zumutbarer Hilfsmittel – nicht mehr in der Lage ist, ohne fremde Hilfe mit einem Handgepäck in die Transportmittel des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ein- oder aus diesen auszusteigen oder durch sie befördert zu werden. Das bedeutet:

  • Transportmittel des ÖPNV sind z. B. Straßenbahnen, Busse, U-Bahnen oder S-Bahnen.
  • Wir sehen z. B. Gehstöcke, Haltegriffe oder reservierte Sitze für Menschen mit Mobilitätseinschränkung als zumutbare Hilfsmittel an.
  • Für die Beurteilung des Verlusts der Grundfähigkeit ist nicht relevant, ob die versicherte Person selbst in Besitz der Hilfsmittel ist, oder ob diese durch den Transportdienstleister bereitgestellt oder bedient werden. Eine Bedienung durch das Personal wird nicht als fremde Hilfe angesehen.
  • Unter Handgepäck im Sinne dieser Bedingungen verstehen wir Gepäck bis zu 5 kg, welches freihändig am Körper getragen werden kann.
  • Es wird eine maximale planmäßige Reisedauer von zwei Stunden zugrunde gelegt. Unter Reisedauer wird hierbei die Dauer der Nutzung des Transportmittels des ÖPNV verstanden.“

Hier muss ich Handgepäck bei mir tragen und die Reisedauer ist mit 2 Stunden definiert. In dieser Definition könnte der Baustein „ÖPNV“ tatsächlich einen Mehrwert bieten.

Allerdings dürfte die motorische Fähigkeit hier seltener der Auslöser sein. Demenz oder andere Krankheiten, die es mir unmöglich machen, einen Fahrplan zu lesen und zu verstehen, wären hier interessanter. Die Basler versichert hier deswegen auch die Demenz ab einem Grad von 5 auf der Reisbergskala.

Nutzung eines Mobiltelefons

Die Stuttgarter und die Signal haben diesen Auslöser. Ein Mehrwert ist zweifelhaft. Es bleibt abzuwarten, ob der Baustein durch eine technologische Weiterentwicklung überholt oder interessant wird. Beide Versicherer setzen sich aber mit dem Baustein der technologischen Entwicklung aus. Kannst du machen, kann aber auch nach hinten losgehen.

Die Signal schreibt:

„Ein Verlust der Grundfähigkeit Nutzung Smartphone liegt vor, wenn die versicherte Person motorisch nicht mehr in der Lage ist, ein Smartphone zu halten oder mithilfe der Bildschirmtastatur (Displaygröße: 3,5 Zoll oder mehr) eine Nachricht von 50 Zeichen zu schreiben.
Vom Versicherungsschutz ausgeschlossen sind kognitive Ursachen.“

Fazit : Unterm Strich