Ist eine Leistungsdynamik für Fluglotsen sinnvoll?

In der Loss of Licence Versicherung gibt es zwei Arten von Dynamik: die Beitragsdynamik und die Leistungsdynamik. Die Unterschiede erkläre ich  in diesem Beitrag. Wir schauen uns insbesondere alle Vor- und Nachteile der  (garantierten) Leistungsdynamik an, die von Verbraucherschützern und vielen Maklern empfohlen wird. Aber ist eine Leistungsdynamik für Fluglotsen auch sinnvoll?

Beitragsdynamik:

Dies ist die wohl bekanntere Dynamik und sollte immer von Beginn an vereinbart sein.
Die Dynamik erhöht sowohl die versicherte Rente, als auch den regelmäßigen Beitrag ohne erneute Gesundheitsfragen. Diese Leistungserhöhungen erfolgen jährlich, der Versicherer setzt deine Erhöhung automatisch um, wenn du der Erhöhung nicht widersprichst. Und das ist auch schon die erste coole Sache, du entscheidest, ob du diese Erhöhung annehmen möchtest. Als Grundlage des Beitrags der Erhöhung wird immer das aktuelle Alter genommen. Das bedeutet, bei gleichem Beitrag fällt die Rentenerhöhung von Jahr zu Jahr etwas niedriger aus oder der Mehrbeitrag steigt leicht bei gleicher Rentenerhöhung. Ob die Erhöhung jedes Jahr sinnvoll ist besprechen wir gern regelmäßig, ATC-Guard steht dir bei allen Fragen immer zur Verfügung. Diese Dynamik hat keinen Nachteil, ist kostenfrei und somit ein Muss.

Die garantierte Leistungsdynamik:

Die Leistungsdynamik wird aktiviert, wenn du schon berufsunfähig/untauglich bist sind und deine  Rente erhältst. Jedes Jahr  der Berufsunfähigkeit/Untauglichkeit wird die Rente dann um den vereinbarten Prozentsatz garantiert erhöht. Dienen soll das zum Inflationsausgleich, also dem Wertverlust des Geldes. Wenn du also mal lange berufsunfähig/untauglich sein solltest, dann könnte das interessant sein. Viele Vermittler sehen diese Dynamik deswegen wahrscheinlich als selbstverständlich an.
Weil die Leistungsdynamik für Fluglotsen aber einen meist ordentlichen Mehrbeitrag kostet, wollen wir uns anschauen, ob dies die sinnvollste Lösung ist oder ob es noch Alternativen gibt.

Was kostet eine Leistungsdynamik für Fluglotsen?

Für unser Beispiel habe ich eine Loss of Licence Versicherung für eine 25 jährige Fluglotsin berechnet. Sie raucht nicht, ist unverheiratet und hat noch keine Kinder. Evtl. Vorerkrankungen lasse ich unberücksichtigt. Als Tarif habe ich einen für alle Lotsen (unabhängig von einer Mitgliedschaft in der GdF) zugänglichen Tarif gewählt. Ich erwähne hier gern nochmal, dass bei uns alle Fluglotsen bestens aufgehoben sind und eine kompetente Beratung erhalten. Die Höhe der vereinbarten Rente habe ich mit 2.000 € monatlich angenommen. Die max. Absicherung zu Beginn liegt bei 2.500 € und für GdF- Mitglieder bei 3.000 € monatlich zuzüglich der oben erwähnten Beitragsdynamik

Variante 1.Ohne Leistungsdynamik für Fluglotsen ergibt sich dann ein monatlicher Zahlbeitrag von 90,01 € bei einer Versicherungs- und Leistungsdauer bis zum 55. Lebensjahr.

Variante 2. Wenn ich nun das gleiche Beispiel durch eine garantierte Erhöhung im Leistungsfall von 2% ergänze dann steigt zu zahlende Beitrag auf 102,32 €. Für diesen Mehrbeitrag von über 12 € erhalte ich dann im Leistungsfall ab dem zweiten Jahr 2% mehr Rente.

Und nun mal anders gedacht

Variante 3. Nun berechne ich, wie hoch deine versicherte von Beginn sein kann, wenn du 102.37 € monatlich investieren möchtest. Für deinen Mehraufwand bekommst du nämlich schon eine „Startrente“ von 2.277,80 €. Das bedeutet, du würdest mit der ersten Rentenzahlung  277,80 € mehr Rente erhalten.

Wann ist welche Variante „besser“?

Und nun muss man einfach mal nachrechnen, wann die niedrigere Rente (2.000 €) durch die Leistungsdynamik,  die von Beginn an höhere Rente (2.277,80 €) einholt.

Um die mit der Höhe der monatlichen Renten gleichzuziehen dauert es über 7 Jahre. Du erhältst also in den ersten 7 Jahren in Variante 3 die höhere Rente. Mit der Variante 2 (mit Leistungsdynamik) hast du 7 Jahre lang eine geringere Rente.

Insgesamt hast du aber natürlich mit Variante 3 noch immer mehr Rente in Summe erhalten. Erst nach über 12 Jahren hast du bei beiden Varianten das Gleiche bekommen.  Erst ab dem 13. Jahr der Berufsunfähigkeit/Untauglichkeit ist somit Variante 2 (mit Leistungsdynamik) besser für dich.

Das bedeutet ……

Weil die Versicherungsdauer in der Regel mit dem 55. Lebensjahr endet, musst du bis zum 42. Lebensjahr untauglich werden (und bleiben), damit die Variante mit einer Leistungsdynamik nicht negativ ist. Wirst du eher untauglich, muss die Untauglichkeit auch länger als 13 Jahre bestehen.

Oder andersrum…

Wirst du nach dem 42. Lebensjahr untauglich und bist du nicht länger als 13 untauglich, dann ist von Beginn an höhere Absicherung ohne Leistungsdynamik für Fluglotsen evtl. doch besser für dich.

Möglich ist natürlich alles, aber am ehrlich…. Was hältst du für realistisch?

Die „nicht“ garantierte Leistungsdynamik für Fluglotsen

Bei Berufsunfähigkeitsversicherungen müssen Versicherungsnehmer an den Überschüssen der Versicherer beteiligt werden. Das erfolgt durch eine Sofortverrechnung der Beiträge. Du musst dann nicht den kalkulierten Tarifbeitrag bezahlen, sondern nur den reduzierten Zahlbeitrag.

Wenn du deine Rente bekommst, musst du auch keine Beiträge mehr zahlen. Der Versicherer muss dich aber weiterhin an den Überschüssen beteiligen und das geschieht durch eine nicht garantierte Leistungsdynamik. Diese Dynamik wird jedes Jahr neu festgelegt, derzeit (Stand 06.2021) beträgt sie bei der LV1871 1,9%.

Am besten du meldest dich einfach mal bei uns und lässt dir deinen individuellen Vergleich erstellen. Im nächsten Schritt schauen wir dann, ob wir deine Altersvorsorge im Fall einer Untauglichkeit auch absichern, damit du die Beiträge nicht mehr selbst zahlen musst.

Fazit:

Du entscheidest, welche Form der Absicherung die richtige ist. Richtig entscheiden kannst du dich aber nur, wenn du alle Möglichkeiten kennst. Du schätzt deine Risiken ein, wir besprechen alles und zeigen dir deine individuellen Varianten und Beiträge. Eine Leistungsdynamik für Fluglotsen ist übrigens eine gute Empfehlung, wenn du die maximale Rentenhöhe zu Beginn schon voll ausschöpfst. Näheres verraten wir dir persönlich. Wir haben für alle Fluglotsen, Aprons und FDB´s passende Angebote. Für GdF-Mitglieder gibt es zusätzliche Leistungserweiterungen.

Über Christian Heß4 Artikel
Christian Heß ist seit fast 20 Jahren Versicherungsmakler und Geschäftsführer der Stöver, Herrmann und Partner GmbH. Er ist Spezialist für die Loss of Licence Versicherung. Mit ATC-Guard arbeitet er eng mit der Gewerkschaft der Flugsicherung zusammen. Mehr über Christian Heß findest du auf der Autorenseite von Christian Heß..

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